ESC-Woche: Die Bonzen, äh, vorgegebenen Finalisten

Der Grund, warum Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien und UK jeweils im Voraus als ESC-Finalisten feststehen, ist ja bekannt: Sie zahlen die größten EBU-Beiträge. Das ist zwar unfair, aber immerhin auf eine verquere Weise ehrlich. Dänemark ist als Vorjahressieger natürlich auch dabei, klar.

Qualität garantiert das alles natürlich ebensowenig wie Erfolg. Es folgt ein kleines Quod Erat Demonstrandum.

1. Deutschland: Elaiza – Is It Right

Die Band, die man auch „Hauptsache nicht Unheilig“ nennen könnte. Hinter dem Motto stehe ich zwar vollumfänglich, hinter dem Song nicht wirklich. Nichts gegen die durchaus sympathischen Damen von Elaiza, auch nichts gegen die Instrumentierung, aber mir gefällt das Lied wirklich, wirklich gar nicht. Und da es derzeit vom Radio rauf und runter gedudelt wird, hat es für mich mittlerweile einen sehr großen Nervfaktor erreicht. Apropos Nervfaktor: It is never right to have a mime in your video. It is oh so very, very wrong.

2. Dänemark: Basim – Cliché Love Song

Bruno-Mars-Verschnitt singt Bruno-Mars-Verschnitt-Song. Ja, das ist durchaus catchy und munter und amüsant, aber irgendwie auch sehr beliebig. Und ich weiß nicht, wie günstig es ist, sein Lied dann gleich mal als Klischee zu bezeichnen, so nach dem Motto „Ach, ich weiß doch selber, wie harmlos und nichtssagend das alles ist, bin ich nicht niedlich?“. Wird aber vermutlich einige Gastgeber-Sympathiepunkte kriegen.

3. Spanien: Ruth Lorenzo – Dancing In The Rain

Okay, beim Pianoanfang wollte ich gleich „Ballade Pour Adeline“ anstimmen. Dann der Gedanke „Oh, die Stimme klingt wie Ana Torroja von Mecano“, was ich ja gut finde. Aber der Refrain ist irgendwie tausendmal gehört, tausendmal ist nichts passiert – also nicht das Deutschrocklied, sondern das empfundene Gefühl beim Anhören. Bonuspunkte für Landessprache, wie immer, aber tut mir leid: Für mich gibt es dieses Jahr nur eine Ballade. Ihr wisst schon welche.

4. Italien: Emma Marrone – La Mia Città

Oh, hallo Gianna Nannini-Rock. Mag ich natürlich sehr. Ich erinnere mich aber vage, ihren Gastauftritt bei „Unser Song für Dänemark“ stimmlich nicht ganz überzeugend gefunden zu haben. Das kann sich inzwischen geändert haben, vielleicht stört es ja auch nicht, wenn das Lied live etwas kratziger vorgetragen wird als ab Konserve. Auf jeden Fall mein Favorit unter den vorgegebenen Finalisten.

5. Vereinigtes Königreich: Molly Smitten-Downes – Children Of The Universe

Uuuuh, die Stimme mag ich gar nicht, das ist ein extremer Fingernagel-Schiefertafel-Effekt in meinen Ohren. Der Song selbst ist mir zu Eurovision-anbiedernd vom Text her mit dem „Power To The People“-Zeug. Aber so einen Beitrag muss es ja jedes Jahr geben. Ich erinnere mich noch schaudernd an Toto Cotugnos Gewinnerlied 1991 mit seinem „Insieme – Unite Unite Europe“-Refrain. Blargh. Das hier? Ist nicht so schlimm.

6. Frankreich: Twin Twin – Moustache

Der Song klingt irgendwie nach Stromae und wird vermutlich international auch am gleichen Problem kranken wie Stromaes Hits: Die Leute verstehen den Text nicht und hören nur die nervig-monotone Dancemusik. Dabei ist der Songtext sicherlich einiges tiefgründiger als andere Beiträge. Je nun, immerhin ist ihnen ein Rekord sicher: Sie werden Jedward den Titel „Highest Eurovision Hair“ glasklar abnehmen.

Hm. Wie gesagt: Quod Erat Demonstrandum. Außer Italien ist da für mich kein wirklicher Favorit dabei, und ob Italien jedermanns Geschmack ist? Wir werden es herausfinden. Am Samstag. Aber erst ist ja noch das heutige Halbfinale dran, und ich bin etwas weniger nervös, seit ich gelesen habe, dass die Wettbüros Conchita Wurst definitiv im Finale sehen. Trotzdem werde ich voten! Stimmt, ich muss ja noch mein Handy aufladen …

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