Fleisch ist sein Gemüse. Nee, Fleisch ist sein Fleisch.

Der Sohn. Ein Fleischfresser vor dem Herrn. Wenn er bestimmen könnte, sähe sein Speiseplan so aus:

Fleisch
Wurst
Eier
Fleisch
Nudeln
Wurst
Brot
Fleisch
Joghurt
Wurst
Käse
Fleisch
Obst
Wurst

Und Süßkram und Chips, aber eher selten.

Was fehlt? Genau, Gemüse. Das ist natürlich nicht sonderlich erstaunlich – Kinder und Gemüse, das sorgt bekanntermaßen oftmals für Probleme. Wirklich gestresst bin ich deswegen nicht, ich wär halt nur froh, wenn ich die Fleischmassen etwas reduzieren könnte, denn ich versuche eigentlich, mich möglichst fleischlos zu ernähren. Und supergesund ist es ja auch nicht. Nur: Wie sag ich’s meinem Kinde?

bastikoch

Eigentlich interessiert er sich – siehe Bild – sehr für Kochen und Backen und sowas, und er schiebt auch gerne mal einen Stuhl aus dem Esszimmer in die Küche, um mir zuzugucken und zu helfen. Gestern zum Beispiel half er fleißig beim Supperühren und Gemüse in die Suppe werfen, und als er ein wenig kochendes Wasser auf die Finger kriegte, war das Gezeter zwar verständlicherweise groß. Aber nach ein paar Minuten mit der Hand im kalten Wasserstrahl war er wieder auf dem Stuhl und rührte weiter. Dann aß er auch begeistert einen halben Teller Suppe, bis ihm einfiel: Moment. Da ist ja Gemüse drin. Und dann wollte er natürlich auch den kleinsten Schnipsel Karotte entfernt haben. Er wollte nur noch die „Pfeffersinie“ essen. Warum auch immer, immerhin ist Petersilie grün, und normalerweise ist „Grün“ in Bezug auf Essen Grund zu ganz lautem „NAAAIIIN!!!“.

Zum Glück habe ich einen Pürierstab. Der ist mein guter Freund, denn wenn ich Gemüse in viel Wasser oder Brühe koche, das dann püriere und die Nudeln darin garkoche, wird Nudelsuppe gemampft, als gäbe es kein Morgen. Dito natürlich Tomatensauce, der Freund und Helfer aller kochenden Eltern (und der Verdienstsicherer der Waschmittelkonzerne – Tipp: Tomatensauceflecken bleichen in der Sonne ganz gut aus …).

Aber ich bin eigentlich kein großer Fan von Tricksen, ich sage Bastian lieber offen und ehrlich, wenn irgendwo Gemüse drin ist. Mit allen darauffolgenden Konsequenzen.

Heute war wieder so ein Fall. Ich hatte noch frischen Spinat übrig und dachte mir, den verarbeitest du jetzt zu einer Art Bratlingen, heiß und fettig geht ja immer. (Aber nicht zu heiß! „PUUUUSTEEEEN!!!“)

Nun ja, als ich die eingeweichten Couscouskügelchen, die Eier, den Parmesan, die Gewürze und den (natürlich pürierten …) Spinat zusammenmischte, stellte ich fest: Hm. Das ist grün. Das ist sehr grün. Und kaum dass ich mit dem Braten angefangen hatte, gesellte sich prompt der Sohn mit seinem Stuhl an den Herd: „Was ist das? Ist da Gemüse drin?!“
„Ääääh … das sind Oskars Lieblingsdrachenbällchen!“
Oskar ist der Kumpel vom Drachen Kokosnuss, und der wiederum ist eine der göttlichen Strafen für Eltern. Oskar ist mir immerhin deswegen sympathisch, weil er ein Fressdrache ist und trotzdem Vegetarier. Wie gesagt, ich mag Tricksen eigentlich nicht sonderlich, aber wenn man die Sache etwas aufhübscht vielleicht …?
„Woher weißt du das?“
„Äh, das hat mir der Oskar gesagt.“
Riesengroße Augen. „WAR DER HIER?!?“
„Nö, der, äh, hat mir eine Mail geschickt.“ Puh, gerettet.
„Aber ich mag das nicht.“
„Aber dann ist der Oskar doch traurig, wo er mir doch extra das Rezept geschickt hat!“ Uargh, noch mehr als Tricksen hasse ich solche erpresserischen Aussagen. Aber manchmal rutschen sie mir halt doch raus, ich gehöre zur Generation „Teller leer oder Regenwetter“, das prägt.
Bastian überlegt.

Und überlegt.

Dann grinst er plötzlich: „Wir schreiben dem Oskar einfach eine Mail, dass ich lieber Wurst esse!“

Schachmatt, Sohn. Schachmatt.

Jetzt kaut er genüßlich an seinem Schnitzelbrot.

(An seinem Quorn-Schnitzelbrot. Har har har.)

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.