Happy birthday, Mr Reeves

Ich hab die Geschichte doch sicher schon zig mal erzählt, oder nicht? Bestimmt. Na ja, egal, Keanu Reeves wird heute 50, also kann ich sie ja noch mal auspacken.

Zuerst sei klargestellt: Keanu-Fangirl hier. Okay, Fanwoman. Schon lange. Das muss vor „Speed“ gewesen sein, denn „Speed“ feiert dieses Jahr sein 20-Jahre-Jubiläum, und mein erstes Tattoo hab ich mir im Englandurlaub 1993 stechen lassen, und da hab ich auch ein Keanu-Poster gekauft. Mit einem Motiv aus der Fotosession, 90er-Menschen wissen vermutlich, wovon ich rede. Nein, nicht das Bild mit dem nackten Popo. Eins, das ich im Internet gerade nicht finde, aber er lächelt darauf so schüchtern. Ich frage mich grad, wo das Teil geblieben ist, schließlich richte ich derzeit mein Arbeitszimmer neu ein …

Aber ich schweife ab. Gehen wir einfach davon aus, dass mir Reeves sicherlich seit „Dangerous Liaisons“ ein Begriff ist, sofern ich in dem Film meine Augen von John Malkovich reißen konnte. Keanu ist also in meinem Crush-Repertoire schon sehr, sehr lange ein Fixstern, und das hat sich auch nicht geändert. Denn stellen wir gleich mal eins klar:

Er ist der Schönste. Immer noch. Auf ewig.

Das ist für ihn als Schauspieler natürlich sowohl Segen als auch Fluch, denn wie wir alle wissen, ist es schwierig, Reeves‘ diesbezügliche Fähigkeiten einzuordnen. Ich weiß, viele halten ihn nicht gerade für vielschichtig, und die Art, wie er sich in Interviews präsentiert, mit verhaltenen Sätzen voller Pausen, wird gerne auch als Beweis benutzt, dass der Herr selbst auch nicht gerade voller Tiefgang ist. Sois beau et tais-toi – sei schön und schweig also?

Seh ich anders – ich hab Keanu Reeves immer als jemanden wahrgenommen, der sich gerade in professionellen Situationen gerne distanziert gibt, der schon in der Kindheit gelernt hat, Zeit mit sich selbst zu verbringen und es deswegen schlichtweg nicht nötig hat, Verbrüderung zu spielen oder sich sonstwie anzubiedern. Das ist natürlich in diesem Business minimst irritierend, und weil wir nicht hinter die Fassade gucken können, nehmen wir im Zweifelsfall an: Er gehört zu Hollywood, und da ist nichts weiter hinter der hübschen Maske.

Ich werde jetzt nicht wieder mit den ganzen „Oh, guckt mal, wie überraschend!“-Keanu-Fakten kommen. Dass er belesen ist, sollte bekannt sein, dass er sich durchaus spirituelle Gedanken macht ebenfalls, und auch dass sein Hamlet nicht der Schlechteste der Geschichte war, ist zumindest von Kritikern bestätigt.

Für mich strahlt Keanu Reeves vor allem eins aus: Benevolence. Auch mal wieder so ein Wort, das sich nicht korrekt ins Deutsche übersetzen lässt. Güte. Nächstenliebe. Menschlichkeit. Sowas in der Art. Ich guck ihn an und hab einfach das Gefühl: Dieser Mensch will niemandem etwas Böses, im Gegenteil. Das ist ein Mensch, der einfach allen nur Gutes wünscht. Und dass sie so in sich ruhen können wie er.

Jaja, Fangirlwoman talking, ich weiß.

Und eigentlich wollte ich ja die Geschichte meiner doofen kleinen Begegnung mit Keanu erzählen. Obwohl, hab ich doch sicher schon …

Also, das war so: Im Winter 2005 hatte ich bereits meine Kündigung beim Radio eingereicht, weil ich nach Deutschland auswandern wollte. Ich war Redakteurin und hatte mir mit Filmbesprechungen und -berichten eine kleine Nische abseits der reinen Newsdeskarbeit geschaffen. Dazu gehörten auch immer wieder Interviews mit Stars und natürlich auch das Angebot, aufgezeichnete Interviews und anderes Material zwecks Untermalung der Radiobeiträge zu erhalten. So auch im Fall von „Constantine“: Da erhielt ich eine Mail vom Filmverleih, ob ich Originaltöne von der Medienkonferenz in Paris mit Keanu Reeves wolle, die demnächst stattfände.

Nun, die werte Blogleserschaft kennt mich. Ich hätte natürlich jetzt einfach „Oh ja, gerne!“ zurückantworten können. Stattdessen schrieb ich logischerweise, weil ich bin, wie ich bin: „Also, ich würde ja viel lieber selber an die Medienkonferenz gehen, ehrlich gesagt!“. Jo, nach einem kurzen Mailwechsel mit dem Verleih wurde ich dann quasi als Abschiedsgeschenk akkreditiert.

Strrrrike.

Ich geb’s zu, ich hab mich gleich am Nachmittag mit dem teuersten Makeup-Zeug eingedeckt, das ich mir je geleistet habe. Inklusive Touche Eclat, denn wir wissen alle, dass Nächte im Schlafwagen mitunter nicht die entspanntesten sind.

Das Tagesprogramm in Paris sah folgendermaßen aus:

Erst „Constantine“ gucken im hauseigenen Kino des Verleihs. Und lasst euch sagen: Die hauseigenen Kinos der Filmverleihfirmen sind ziemlich cool. Dann Transfer via Edel-Taxi zum Hotel, in dem die Medienkonferenz stattfinden sollte. Das Hotel? Och, nur das Ritz. Nee, ich mach hier überhaupt nicht mehr auf Humblebrag, ich prolle offen rum, weil’s halt einfach geil war. Der Film jetzt nicht zwingend, aber das ganze Drumunddran.

Ich war im Ritz noch auf dem Klo, Angstpipi machen. Nachdem ich diese Toilette gesehen hatte, war ich noch nervöser. Üüüüh, nobel. Aber sobald wir Fragen stellen durften, war es mit der Aufregung vorbei, ich war nur noch irritiert, weil der Typ, der das Mikrofon durch die Gegend trug, mich ständig ignorierte. Schließlich war ich dann doch dran und fragte irgendwas Belangloses von wegen Lieblings-Actionszene im Film, aber nun ja, die vorherigen Fragen der anderen Anwesenden waren auch nicht zwingend intellektueller. Leider kann ich euch überhaupt nicht mehr sagen, was Keanu geantwortet hat, denn der Herr schaut einem beim Reden direkt in die Augen, und obwohl ich sicher zehn Meter weit entfernt war … Glückseligkeitsnebel.

Jo. Das das eben Beschriebene war der volle Extent meiner direkten Kommunikation mit Keanu Reeves. Ich hab was gefragt, er hat geantwortet, er hat mich dabei angeguckt, ich war vermutlich hochrot im Gesicht, hab debil gelächelt und nicht richtig zugehört. Ich meine mich zu erinnern, dass er es toll fand, Balthasar zu schlagen. Na dann.

Aber er klang so nett.

(Kurzinfo aus der Welt der Stars und Sternchen: Die wirklich richtig Prominenten sind so viel angenehmer als Interviewpartner als diejenigen, die sich nur für prominent halten. Das greift meiner Erfahrung nach wirklich allgemein.)

Nun gut, jetzt ist sicherlich die gesamte Leserschaft enttäuscht, ich weiß. Denn die Story ist ja wirklich nicht sooo aufregend, und es geht dabei vor allem um mich und nicht um Keanu. Aber was soll ich sagen: Mein Blog, mein Nabel, meine Welt.

Ach so, und danach hab ich noch gewartet, bis alle anderen den Saal verlassen hatten und Keanus halb leergetrunkenes Wasserglas geklaut. Es in meinem Mantelärmel versteckt, irgendwann ausgeleert, vorsichtig zurück in die Schweiz transportiert und es meiner Freundin geschenkt, die ein noch viel größerer Reeves-Fan war als ich.

Und sie? Hat es abgewaschen. Dabei war da doch Keanu-DNA dran!!!

Ja, ich halte die Aktion mit dem Wasserglas immer noch für ziemlich legendär, tut mir leid. Und die Tatsache, dass ich es verschenkt habe, ebenso. Denn letztendlich versuche ich mich im Leben an eine Devise zu halten, die einem Keanu-Frühwerk entstammt, und die auch im Geburtstagskind selbst zu stecken scheint:

(Und irgendwann kauf ich mir sein Buch. Denn das klingt grandios.)

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