A rant fit for Queen

Ich hab mir gerade ein Ticket für Queen + Adam Lambert in Stuttgart im Februar gekauft. Dann hab ich mich gefreut wie Bolle. Das ist für mich extrem wichtig, denn mir geht es derzeit psychisch echt beschissen, und jede kleine Vorfreude sorgt dafür, dass ich wieder motiviert bin, na ja … weiterzumachen.

Dann hab ich einen Fehler gemacht: Ich hab mich bei Twitter öffentlich darüber gefreut. Tja. Hätte ich nicht machen sollen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Twitter, aber es ist einfach nicht der richtige Ort, um sich öffentlich über etwas zu freuen, das anderen missfällt. Die Lektion hätte ich eigentlich schon beim WM-Finale lernen sollen, als mir die ganzen kritischen Stimmen die Begeisterung über den Weltmeistertitel für Jogis Jungs dermaßen gründlich verdorben haben, dass ich am Ende nur noch geheult habe.

Jaja, selber schuld. Andere dürfen auch ihre Meinung haben, nicht darauf eingehen, nicht lesen, nicht zu Herzen nehmen. Tja: Kann ich leider nicht immer. An guten Tagen kann ich das an mir abprallen lassen, aber bei der WM z.B. war ich nach wochenlangen Auseinandersetzungen mit der ganzen Kritik so zermürbt, dass das nicht mehr klappte. Trotzdem, das Problem hab ich, nicht die anderen, die es ja auch nicht so meinen, wie ich es auffasse.

Man würde nun denken, dass ein Konzert etwas Harmloses ist. Ist es aber laut Twitter nicht, wenn man bei Eventim bestellt, denn Eventim ist – das geb ich auch offen zu – ein ziemlicher Schweineverein, was Abzocke angeht. Ja, ich hab halt die 4,90 Euro Versandkosten in Kauf genommen, denn ich hab keine Zeit, zur nächsten Vorverkaufsstelle zu fahren, wo auch immer die sein mag. Und nein, ich hab mich im Vorfeld auch nicht darüber informiert, ob es denn eine Alternative zu Eventim gäbe, denn erstens hatte ich das nicht im Hinterkopf und zweitens ist der Vorverkauf eh exklusiv.

Außerdem könnte ich euch jetzt Geschichten zum Thema Vorverkauf in Bezug auf meine Arbeit mit dem ehemaligen ehemals offiziellen die ärzte-Fanclub DÄOF/DÄFC erzählen, der gerne mal auf kleineren, eigenen Plattformen stattfand … nee, lassen wir das. Der Blutdruck klopft schon an.

Also: Ich bin da halt manchmal bequem. Ich wohn auf dem Land, ich kauf auch gerne mal Weihnachtsgeschenke und anderes beim großen, bösen Versandhandel mit A, weil ich diesbezüglich auch auf meinen persönlichen Aufwand und Ertrag Rücksicht nehmen muss. Ist halt so.

Twitter-Thema Nummer 1: Abgehakt. Twitter-Thema Nummer 2: „Das sind doch gar nicht Queen, da fehlen ja Freddie und John Deacon!“. Bingo. Der eine ist tot, der andere im wohlverdienten Ruhestand. Da lässt sich nix machen, dann sind halt nur noch 50 Prozent von Queen dabei. Also quasi Que. Oder Een. Schwierig bei einem Wort mit einer ungeraden Buchstabenzahl. Nur: Weder Brian May noch Roger Taylor und erst recht nicht Adam Lambert behaupten in irgendeiner Weise, dass Adam ein Freddie-Ersatz ist. Jeder, der sich die Zeit nimmt, mal ein Queen + Adam Lambert-Video anzuhören und anzuschauen, wird feststellen, dass das auch von keinem Beteiligten gewollt ist. Adam singt anders, hat aber – nicht nur meiner Meinung nach – die Präsenz und die stimmlichen Fähigkeiten, einen Queen-Song auszufüllen. Nein, er reicht nicht an Freddie heran, aber er versucht es auch nicht. Und deswegen schafft er es, sich die Songs zu eigen zu machen. Hier, bitte sehr.

Und John? John hat sich bekanntermaßen komplett aus dem Showbiz zurückgezogen. Die „We are the Champions“-Version von Robbie Williams fand er scheiße, was er von Queen + Adam Lambert hält, ist nicht wirklich öffentliches Wissen, aber er toleriert die Sache wohl, und außerdem ist er immer noch in den Finanzbereich von Queen involviert – siehe hier (allgemein interessantes Interview, übrigens). Ob er also wirklich ein armes Opfer und Brian und Roger gemeine Abzocker sind, oder ob es viel mehr darum geht, dass ein Bandmitglied keine Lust aufs Showbiz mehr hatte und die beiden anderen ihre alten Songs einfach immer noch sehr gerne live spielen? You be the judge.

Letztendlich ist es aber nun mal einfach so: Nein, das ist keine Tributeband. Das sind Teile einer Band und ein Solokünstler, die zusammen unterwegs sind. Und es funktioniert.

Ach ja, eine Sache noch: Zufälligerweise war ich schon Adam Lambert-Fan in seiner Zeit bei American Idol. Also ist dieses Konzert für mich eine Win-Win-Situation. Und ja, ich hab den Herrn schon solo live gesehen, ich weiß also, was er zu bieten hat. Noch mehr Grund zur Vorfreude, yay!

(Aber andererseits: Ein Castingprodukt. Darf man ja auch nicht gut finden, gell? Hilft’s bei der Street Cred, dass Rivers Cuomo ihn mag? Ach nee, Weezer sind ja auch Sell Outs, oder so oder Dings … damit dass Lady GaGa auch einen Song für sein Debütalbum geschrieben hat, komm ich besser gar nicht um die Ecke. Ähem.)

Nun, wisst ihr was: Ich hab mich jetzt während des Tippens die ganze Zeit durch Videos von Adam und Queen und Adam solo durchgehört, und jetzt geht’s mir wieder gut.

Denn ich hab ein Ticket. Und ihr dürft gerne zuhause bleiben. Der einzig Leidtragende in dieser Situation ist der Sohn, bekanntlich der größte Queen-Fan der Familie, der leider immer noch ein bisschen zu klein für so ein großes Konzert ist.

Ich bring ihm dann irgendwas vom Merchstand mit. Wenn schon Abzocke, dann richtig.

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3 Gedanken zu “A rant fit for Queen

  1. Na toll, jetzt hab ich auch das Bedürfnis, mir Tickets zu kaufen. 🙂 Und höre mir auf Youtubes besagte Videos an (und kriege Gänsehaut). Aber eigentlich ist Köln zu weit weg… Und wer geht mit mir hin? Aaaargh 😉

  2. Nun, im Gegensatz zu all den Nörglern und Motzern, die alle viel Meinung aber kaum eine Ahnung haben, habe ICH Post-Freddie-Queen bereits gesehen. Es war the best I could get, nachdem ich 1986 halt leider erst 15 war und beim besten Willen die Kohle nicht zusammenkratzen konnte, um Originalqueen im Wembley sehen zu gehen. Damals kostete so eine Reise nach London ja auch noch richtig viel Geld!
    Anyway: Auch ohne Freddie waren Queen und Paul Rodgers eine 1A-Konzertband und gehören bisher zum Besten, was ich je life gesehen habe. Und als sie die Bohemian Rhapsody Freddie gleich selber singen liessen und nur den Background dazu schrummten, heulte die ganze St.-Jakobs-Halle Rotz und Wasser.
    DAS ist Musik. Und somit alles, was zählt.

    (und lass Dir von Leuten, die anderen nicht mal einen Schnupfen gönnen würden, die gute Laune und Vorfreude nicht verderben, bitte!)

  3. Komisch, dass ich dein Blog beim Googeln fand, aber nun ist der Stuttgart gig bald (ich war in Hamburg), und ich kann Dir vergewissern, Du wirst verzaubert sein! Von allem was von Queen übrig ist (hört sich verdammt vollständig an), von Taylor-Ableger Rufus am 2. Schlagzeug und nicht zuletzt von Adam. Entzückend! Sei früh da, geh ganz nach vorne und keine Angst, da wird nicht gequetscht und geschubst. Und nimm eine Hand voll Goldglitter mit nach Hause!
    Wie schön dass Du es noch vor dir hast!! Liebe Grüße aus dem Norden x

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