She’s so pretty in … any color

Okay, ich geb’s zu: Ich hatte gestern beim Lesen dieses Tweets erst mal eine asterixinische Fluchblase über dem Kopf. Und ich hab Baby Walz bei Twitter auch gleich angepflaumt. Weil ich aber der Meinung bin, dass Anpflaumen nicht der richtige Weg ist, versuche ich meine Fluchblase jetzt in angemessenere Worte zu fassen.

Es geht mir nicht mal mehr so sehr um die Kommerzialisierung irgendwelcher besonderer Tage. Die findet statt, egal wie meine Meinung dazu aussieht. Da gibt’s halt zum Weltfrauentag Blumen, zum Muttertag auch, zu Samhain, pardon, Halloween Süßigkeiten, zu Weihnachten Konsum pur. Und zum Brustkrebsmonat Oktober Shirts mit „Save the boobies“ – die Frau um die Brüste herum ist ja unwichtig, Hauptsache die Sekundärgenitalien bleiben sexy.

Und jetzt halt der Weltmädchentag. Bei dem es eigentlich darum geht, die Bildung von Mädchen und jungen Frauen zu verbessern. Die Zwangsehe zu bekämpfen, ebenso wie Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und Gewalt gegen alles, was weiblich ist. Und für Gleichberechtigung zu sein. Siehe auch diesen Text von Plan International Deutschland, der Organisation, die diesen Tag initiiert hat.

Gute Sache also. Aber … es ist alles so pink.

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe Pink. Ich finde überhaupt nicht, dass Pink stinkt. Ich halte es im Gegenteil sogar für extrem abwertend, mit welcher Leidenschaft Pink in manchen feministischen Kreisen gehasst wird, denn letztendlich wird Pink ja mittlerweile schon fast (fälschlicherweise) traditionell mit Weiblichkeit gleichgesetzt, und Weiblichkeit kann ich nicht hassen. Diese Konnotation war vermutlich mit ein Grund, weswegen meine Liebe zu Pink gerade in der Zeit geweckt wurde, als ich innerhalb von vier Monaten zwei Fehlgeburten hatte. Ich fühlte mich irrationalerweise als Versagerin in meiner inneren Weiblichkeit, ich hatte das Bedürfnis, mich wenigstens von außen mit „Weiblichem“ zu umgeben. Und danach hab ich Pink beibehalten, es quasi für mich reclaimed, wenn man so will.

Kurz: Ich habe kein Problem mit Pink als weiblicher Farbe. Es ist die Ausschließlichkeit, die mir zu schaffen macht. Hier die Googlebildersuchresultate zum Beispiel. Eine Farbe dominiert, nicht wahr? Nun kann eins natürlich damit argumentieren, dass Pink hier eben auch als empowernde Symbolfarbe benutzt wird, und dass Pink so funktionieren kann, streite ich auch gar nicht ab, sehe ich ja selber so. Mit geht es darum, dass die Gleichung nicht lautet Pink = Mädchen, sondern Mädchen = Pink, versteht ihr? Alles an Mädchen muss pink sein!

Ich habe ja nun keine Tochter, sondern einen Sohn, deswegen begegnet mir die Pinkifizierung der weiblichen Kindheit eher in der Nebenabteilung im Kleiderladen. Bei Kindersendungen, in denen es um Mädchen geht. In der Spielzeugabteilung. Dass mittlerweile quasi alles gegendert ist, sogar die Kartoffelchips, ist ja kein Geheimnis. Aber ein Aufreger. Denn wenn alles irgendwann in pink und blau aufgeteilt ist, was passiert mit den Kindern, die sich nicht mit diesen Farben identifizieren können? Die Tomboys da draußen oder auch die puppenspielenden Jungs?

„Richtige“ Mädchen sind pink. Und was ist mit denen, die es nicht sind? Sind die vom Weltmädchentag ausgeschlossen? Ist es nicht irgendwie auch kolonialistisch, Mädchen auf der ganzen Welt mittels unserer westlichen, aufgezwungenen Mädchenfarbe vertreten zu wollen?

Und dann kommt Baby Walz und setzt noch einen drauf.

babywalz

Pretty Pink zum internationalen Mädchentag. Pretty muss natürlich auch noch sein. Und Konsum! Und Ersparnisse! Das ist so … ich weiß nicht, hier bildet sich schon wieder die asterixinische Fluchblase. Es ist falsch. Es ist einfach falsch. Und falls Baby Walz nur Produkte von Unternehmen verkauft, die auf Kinderarbeit verzichten, möge mir das bitte jemand mitteilen. Ich kann’s mir nicht vorstellen. So gesehen ist das irgendwie auf übelste Weise ironisch.

Wie gesagt: Die Kommerzialisierung passiert überall. Aber bitte – ein bisschen Nachdenken. Nur ein bisschen. Es gäbe so viele andere Möglichkeiten. Sparschweine an den Kassen für Spenden an Organisationen, die sich um die Förderung um Mädchen kümmern. Meinetwegen einen Spendenbutton, einen Link, irgendetwas zum tatsächlichen Thema des internationalen Mädchentages auf der Website. Oder hey, noch simpler, wenn’s denn wirklich der reine Kommerz sein muss: Spielwaren und Bekleidung in allen Farben und Formen! Für die unpinken Mädchen. Für die unpretty Mädchen.

Ich bin mal wieder vom Hundersten ins Tausendste gekommen und habe keine Ahnung, ob ich irgendwie erklären konnte, worum es mir geht. Letztendlich ist es so: Die Worte, die sich aus meiner asterixinischen Fluchblase herauskristallisiert haben, sind Worte, die kein Kind, egal welchen Geschlechts, je hören möchte, deswegen richte ich sie jetzt halt gegen ein Unternehmen:

Ich bin nicht sauer. Ich bin enttäuscht.

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Ein Gedanke zu “She’s so pretty in … any color

  1. Schön zusammengefasst. Oder wie die Gründerin von Pinkstinks Germany es gesagt hat: „Es geht nicht darum, keine pinke Prinzessin sein zu dürfen, sondern keine pinke Prinzessin sein zu müssen.“
    In diesem Sinne: Fröhlichen Mädelstag!

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