Jesus, der Himmel und der Sohn (Adventskalender vom 2.12.)

Gerade in der Adventszeit werde ich als Mutter natürlich immer wieder mit dem Thema Religion konfrontiert. Denn schließlich soll der Sohn ja nicht denken, Weihnachten sei nur das Fest der Geschenke. Und auch im Kindergarten ist das Thema, die Schulanfänger_innen führen ein Krippenspiel auf, der Nikolaus kommt, und so weiter, und so fort. Am Sonntag waren wir beim Familiengottesdienst mit Marionettenspiel, und Bastian schnappte sich beim Büchertisch „Tim, Sarah und das Krippenspiel“ und musste das Buch gleich inflationär vorgelesen kriegen. Es ist aber auch sehr niedlich und amüsant, zugegeben.

Aber natürlich gibt es dann Fragen über Fragen dazu, warum wir Weihnachten feiern. Warum feiern wir ausgerechnet Jesus‘ Geburt? Warum war Joseph nicht der Vater von Jesus? War Maria dann auch nicht die Mutter von Jesus? Ein Stichwort, das ich nutzte, um mit dem Sohn kurz über Adoption, Pflegeeltern und Ähnliches zu reden. Meine Methode, ihm ein soziales Gewissen einzuimpfen, beschränkt sich eigentlich generell darauf, bei normalen Unterhaltungssituationen öfter kurz eine Nebenbemerkung zu machen, dahingehend dass die verschiedensten Lebensmodelle gleichwertig sind.

Bastians Konzept von Gott ist noch etwas verschwommen, und das darf es auch bleiben – ich werde ihm nicht das Dogma vom alten Mann mit weißem Bart eintrichtern, mir reicht es, wenn er ein Empfinden dafür entwickelt, dass es wünschenswert wäre, sich von guten Mächten leiten zu lassen. Ob er diese nun in sich oder außerhalb findet, sei ihm überlassen. Ich hab ihm auch schon erklärt, dass er sich Gott vorstellen darf, wie er möchte – manche Leute denken dabei an einen alten Mann, es kann aber auch eine Frau sein, ein Baum, ein – „AUTO! ODER EIN LASTWAGEN!!!“. Ja, genau. Ich finde die Vorstellung von Gott als Lastwagen zugegebenermaßen höchst amüsant.

Douglas Adams schrieb im Anhalter durch die Galaxis irgendwo etwas im Sinne von „Damals, als ein Typ den Leuten nahelegte, dass es doch keine schlechte Idee wäre, zur Abwechslung mal nett zueinander zu sein“. Ich geb’s zu, das beschreibt das Konzept von Jesus, das ich dem Sohn vermitteln will, ziemlich gut. Natürlich folgt dann auch die Frage, warum die Leute dann Jesus getötet haben. Und wieder eine Lektion fürs allgemeine Leben: Weil da ein Mächtiger Angst hatte, seine Macht zu verlieren, als ein Mensch kam, der die Leute besser behandelte als er selbst. Weil ihm die Macht das Allerwichtigste war – und solche Leute sollten nicht an die Macht gelangen.

Mein eigenes Christentum ist sehr diffus, und das ist für mich auch okay. Ich bin keine große Kirchgängerin, zumindest nicht zu Gottesdiensten, aber ich versuche nach den Prinzipien der Nächstenliebe zu leben. Ich und Gott, was auch immer Gott ist, wir sind miteinander im Reinen. Und immerhin: Krustentiere sind mir ein Gräuel.

Bastian wollte heute wissen, ob es im Himmel Essen gibt, wo doch nur die Seele in den Himmel kommt, und die hat ja keine Zähne. Ich habe darauf geantwortet, dass es im Himmel ja toll sein soll, und Essen ist ja was Tolles, also gibt es hoffentlich auch Essen dort. Manna, sog i!

Ich frage mich manchmal, ob der Sohn besonders am Thema Himmel und Tod interessiert ist, weil meine Mutter bereits tot ist und er halt weiß, dass Oma Barbara nicht mehr lebt. Letztendlich kann ich das aber nur vermuten, und wahrscheinlich ist einfach die Faszination für die Themen am größten, bei denen die Erwachsenen selber nicht Bescheid wissen.

Denn machen wir uns nichts vor, manchmal sind unsere Kinder viel pragmatischer, als wir denken. Neulich im Bus fuhren wir an einem Kruzifix am Straßenrand vorbei, und Bastian fragte mich: „Mama, warum haben die eigentlich den Jesus ans Kreuz genagelt?“

Ich setzte zu einer längeren Erklärung an, wurde aber gleich wieder unterbrochen:

„Warum nicht geschraubt?“

Nun, mein Sohn: Frag den Lastwagen.

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