Nächstenliebe heißt auch mal Fresse halten (Adventskalender vom 11.12.)

Weihnachten. Das Fest der Liebe. Wo wir einander alle ganz doll lieb haben. Also, diejenigen von uns, die uns in den Kram passen. Die anderen dürfen wir ganzjährig kritisieren und im Zweifelsfall so tun, als ob es uns dabei darum ginge, ihnen etwas Gutes zu tun.

Ja, heute reden wir über Concern Trolling. Derzeit zu beobachten bei der Facebookseite der von mir angebeteten Kathrin von Reizende Rundungen. Genauer gesagt beim Beitrag über Fat Girl Casualness, den ich übrigens allen ans Herz legen möchte, weil: So. Verdammt. Wahr.

Wer sich die Kommentare unter dem Beitrag bei FB mal genauer anschaut, der stellt über den Daumen gepeilt fest: Zustimmung von Frauen, Trolling von Männern. Pardon, ich meine natürlich gute Ratschläge und hilfreiche Tipps von Männern. Bwahahahaaaah.

Ach, Mansplaining. Never change.

Wobei, es ist ja perfider als reines „Ich Mann erkläre dir Frau die Welt“. Es ist ja eben auch Concern Trolling. Ich erklär den Begriff gerne noch mal, ich hab ja jetzt ein Erklärbärinnenkostüm:

erklaerbaer

Concern Trolling ist z.B., wenn Leute jemandem erklären, dass dies und jenes nicht gut für ihre Gesundheit sei. Im konkreten Fall also dick sein. Warum ist das so abstrus und unangebracht? Let me break it down for you.

Erstens mal, weil es beim besten Willen in unserer Gesellschaft jeder einzelnen dicken Person absolut klar ist, dass zu viel Gewicht gesundheitliche Konsequenzen haben kann. Bitte sehr, wie könnten sie das nicht wissen, wenn sie nicht gerade als Einsiedler_in irgendwo hausen, ohne alte und neue Medien und jeglichen Besuch? Wir werden ja tagtäglich mit diesen Informationen zugeschüttet.

Zweitens weil es nichts und niemanden etwas angeht, was eine andere Person mit ihrem Körper macht. „Aber – “ NEIN. „Und wie ist es mit – “ NEIN. „Du musst doch zugeben, dass – “ NEIN. „Die Gesundheit!“ NEIN. NEIN. NEIN. Es ist nicht deine Gesundheit. Es ist ihre Gesundheit. Letztendlich müssen alle selbst entscheiden, wie sie ihren Körper und ihre Seele behandeln. Wirklich wahr. Und ja, ich weiß, wie viel Überwindung es kostet, Menschen nicht nach ihrem Äußeren, ihrem Kleidungsstil oder gar dem, was sie in ihren Einkaufswagen haben zu beurteilen. Been there, sometimes accidentally still doing that. Aber wirklich, ganz, ganz ehrlich: Es geht niemanden etwas an außer der Person selbst. NOT YOUR FUCKING BUSINESS.

(Ach ja, und wer dann mit den Kosten in Bezug auf das Gesundheitssystem kommt: Hallo Pudels Kern. Es geht mitnichten um die belästigte Person, sondern um die Kosten für die eigene Brieftasche. Daher Concern Trolling. Es sind nicht mal echte Sorgen um die anderen, ne. Go figure.)

Und jetzt folgt noch etwas extrem Wichtiges, und damit wäre dann auch der Zusammenhang zum derzeitigen Adventskalender hier gegeben: Das gilt auch für Verwandtschaft und Bekanntschaft. Gerade zu Weihnachten. Ich hatte neulich den Buzzfeed-Artikel zum Thema schon verlinkt. Bitte noch mal lesen. Und dann einfach mal kurz auf fünf zählen am Weihnachtsfest und nachdenken, ob man den Satz jetzt wirklich sagen will. Ich weiß, ich weiß, das ist anstrengend und mühsam und schadet der Spontanität ungemein, aber hey, dafür begehen wir vielleicht mal eine Mikroaggression (den Begriff erklärt die Bärin ein anderes Mal) weniger an der Festtafel. Und das wäre schon ein unglaublicher Fortschritt.

Einfach mal nur auf den eigenen Teller gucken. Und dessen Inhalt nicht analysieren, sondern genießen.

In diesem Sinne: Ich wünsch uns allen zu Weihnachten keine Trolle unter der Tanne, keine gut gemeinten Ratschläge und guten Appetit.

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