Wörter ohne Worte

Es ist mir gerade egal, wer dahintersteckt, ehrlich gesagt. Das sind alles nur Spekulationen, und was auch immer sich hinterher als richtig herausstellt, Spekulationen schaden nur. Denn irgendwas bleibt ja immer hängen, egal ob es stimmt oder nicht.

Es ist mir auch gerade egal, wem das in die Finger spielt und wem nicht. Wer sich durch den Anschlag auf Charlie Hebdo dazu angestiftet fühlt, den Leuten von PEGIDA und ähnlichen Gruppen blindlings in die natürlich jetzt noch weiter geöffneten Arme zu laufen, soll das bitte sehr tun. Wer jetzt auf der vermeintlichen Gegenseite (denn eigentlich sind sich beide Seiten viel, viel ähnlicher, als sie zu bemerken scheinen) johlend Hass predigt: Macht doch.

Ich weiß nur, dass ich das, was da vorgefallen ist, weder als Mensch noch als ehemalige Journalistin noch sonst irgendwie begreifen kann.

Die Macht der Medien, und dann die Ohnmacht der Medien, beides über- und unterschätzt. So lässt sich Schweigen nicht erzwingen, im Gegenteil, so gibt es nur Entsetzen und sich Hinstellen und sagen „Nicht mit mir!“ als Antwort.

Ich sah gerade ein „Je suis Charlie“-Bild auf Twitter. Ich bin nicht Charlie. Ich weiß nicht, was in den Leuten, die tatsächlich ein Teil von Charlie Hebdo sind, die überlebt haben, gerade vorgeht. Alles und nichts vermutlich. Ich weiß nicht, ob sie gerade Solidarität via Social Media oder sonstwie benötigen, aber wir tun halt alle irgendwas, um etwas zu tun, denn es ist so schwierig, sich einfach hinzusetzen und zuzugeben: Ich bin hilflos.

Nun, ich bin hilflos. Und trotzdem blogge ich. Gedanken ordnen in einer Welt, die sich scheinbar nicht mehr ordnen lässt. Irgendeine Kontrolle über irgendwas haben. Und wenn es nur der nächste Satz ist. Das nächste Wort. Auch wenn es sich gerade anfühlt, als schriebe ich Wörter, einzelne Buchstaben aneinandergereiht, und nicht Worte, nichts mit Zusammenhang, nichts von Bedeutung.

Halt. Doch. Ich habe etwas von Bedeutung zu sagen. Auch wenn es nur für mich von Bedeutung sein mag.

Ihr, die ihr mir einreden wollt, dass es nur so geht und nicht anders.
Ihr, die mit dem Finger zeigt und „Seht ihr, seht ihr, ich hab’s ja gesagt!“ schreit.
Ihr, die ihr seufzend die Hände ringt und sagt „Da kann man eben nichts tun, die Welt ist schlecht“.
Ihr, die ihr über die Leichen von heute, von gestern, von morgen geht, um eure Politik an die Menschen zu bringen.
Ihr, die ihr eure Augen abwendet und euch nicht interessiert für so etwas, weil warum auch.
Ihr, die ihr meinen Hass wollt, meine Abscheu, meine Wut, meine Gegengewalt.

Ihr kriegt mich nicht. Ihr werdet verlieren.

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Ein Gedanke zu “Wörter ohne Worte

  1. Sagte vor ein paar Tagen am Pausentisch folgendes: „Fundamentalisten gibt es überall, bei den Moslems, bei den Christen, Atheisten usw. Mit Fundamentalisten lässt sich nicht diskutieren!“.
    Also egal wer es gewesen ist oder um was es geht, es ist einfach falsch was in Paris passiert ist. Und ob Islamisten oder Pediga, ihr seit beide gleich! Und zum Schweigen bringt mich auch niemand!
    Meine Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien.

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