Bla, bla und bla

Hier sitz ich nun, ich arme Törin, und weiß so viel wie … äh, vörhin?

Was ich sagen will: Ich sollte mal wieder bloggen. Ich möchte mal wieder bloggen. Aber ich finde keinen Anfang. Klar, lustige Bastiangeschichten gibt es immer, aber wenn ich die auf Facebook oder Twitter erzählt hab, mag ich die nicht auch noch hier verbreiten, und das sind eh meistens so kurze Bonmots, und überhaupt … Blogparaden? Verpasse ich grundsätzlich. Aktuelle Themen? Dafür fehlt mir derzeit das Hirn, denn das ist gebeutelt durch diverse Krankheiten meiner- und kindseits, Reisen, dieses und jenes. Und … ich mag gerade auch gar nicht darüber schreiben, wer jetzt gerade wieder homophob, rassistisch, sexistisch oder sonstwie scheiße ist. Das machen so viele andere, die großen diesbezüglichen Stürme werden eh ausgetragen. Mich belasten die Kleinigkeiten, die einzelnen Wörter, über die kaum wer stolpert, aber na ja. Wenn ich hier darüber schreibe ist das doch vor allem eins: Preaching to the converted. Wie viele Leute erreiche ich denn, denen ich mit meinen Ausführungen wirklich einen Denkanstoß vermitteln kann?

Ja, ich weiß, für sich selber schreiben, klar. Aber darin liegt das Problem: Ich hab gerade absolut keine Lust darauf, mir selber zuzuhören. Ich erzähle wieder und wieder dasselbe, und ich weiß eh schon, was ich erzählen werde, meine Leserschaft weiß auch bereits, was ich zu sagen habe, also … was soll’s?

Aber sei’s drum. Reden wir über die Kleinigkeiten. Reden wir über, verzeiht mir, wenn ich den Begriff verallgemeinere, Mikroaggressionen. Einzelne Wörter, über die eins, nee, über die ich stolpere, in Blogeinträgen, in Facebookpostings, im „echten“ Leben. Wenn ich die Beschreibung einer fiktiven, als negativ gezeichneten Person lese, deren Optik nur mit einem Wort beschrieben wird: „Adipös“. Wenn ich bei Rezepten, Essensfotos, jeglicher Form von vermeintlich nicht gesunden Lebensmitteln die Begriffe „Sünde“, „Sündigen“ oder sonstige Rechtfertigungen lese. Wenn ein Smoothiehersteller was von „hässlich, aber total lieb“ als Beschreibung faselt. Gut, Letzteres hat dann wieder einiges an Aufmerksamkeit generiert und mich zugegebenermaßen auch deswegen geärgert, weil ich deren Green Smoothies wirklich mag, aber jetzt keinen Bock mehr habe, die Marke zu unterstützen.

Kurz: Die Momente, in denen mir wieder und wieder mal eben so nebenbei vermittelt wird, was in unserer Welt wirklich zu zählen hat und was ich nicht besitze: Normfigur, Normgesundheit, Normschönheit. Und wenn ich dann mal meinen Mut zusammennehme und beschließe, nein, dieses einzelne Wort übersehe ich nicht, hier protestiere ich, was kommt als Antwort? Richtig: Überempfindlich, hysterisch, humorlos, mach dich mal locker. Dein Problem, nicht meins, das machen alle so, das war schon immer so, das sagt man halt so, das ist ganz normal.

Tja, und trotzdem stelle ich mich heute mal wieder hin und sage: Nee. Ich mach mich nicht locker. Sprache ist wandelbar. Wie viele Wörter benutzen wir bitte sehr nicht mehr, die früher „ganz normal“ waren, weil wir gelernt haben, dass sie beleidigend sind? Und wie viel Arbeit macht es eigentlich, mal eben kurz über eine Formulierung nachzudenken, bevor eins sie raushaut? Sprache funktioniert nicht über Verhandlungen – „Ich sag das und das nicht mehr, dafür darf ich aber dieses und jenes Wort noch benutzen“. Sprache ist lebendig, und das ist schön, denn das bedeutet, dass wir sie so formen können, wie wir es wollen.

Aber daran scheitert es, nicht wahr? Am Wollen. Denn wenn wir Begriffe nicht mehr verwenden wollen, die einschränken, die festlegen, was optisch erlaubt ist und was nicht, dann müssen wir mit unserer Denkweise anfangen. Und raaargh, das ist anstrengend. Beispiel von gestern: Ich hab mich bei Twitter darüber aufgeregt, dass bei „Kikaninchen“ nicht die übliche Moderatorin war, sondern eine junge Frau, die ich persönlich als, nun ja, sehr austauschbar telegen empfand. Oder um es wie in meinem Tweet auszudrücken: „Generische Blondine“. Jaaaa, Springhart, super. Preach it. Und hör dir bei Gelegenheit dabei zu. Sich über Normschönheiten spezifisch zu beschweren, ist auch nicht besser als Meghan Trainors „Skinny bitches“ aus dem meines Empfindens zu Unrecht gefeierten „All about that bass“. Sprich: Es liegt nicht an der einzelnen Person da im Fernsehen, es liegt am System. Und das System wird sich nicht verbessern, wenn ich auf denen rumhacke, die der Norm entsprechen. Das System wird aber vielleicht ein kleines bisschen besser, wenn ich davon absehe, die Klischees weiterhin im Nebenher-Sprachgebrauch zu propagieren.

Wenn ich mich frage, ob Essen wirklich einen moralischen, quasi religiösen Wert hat, bevor ich Salat heiligspreche und Chips verdamme. (Hat es nicht, und glaubt mir das einfach, ich bin ehemaliges Mitglied der Church of Anorexia, Bulimia & Binge Eating, ich kann das echt beurteilen.)

Wenn ich mich frage, ob ich eine negative Figur wirklich zusätzlich durch optische Aspekte beschreiben muss, um sie möglichst schlimm darzustellen, statt sie lediglich durch ihr Verhalten als Arsch zu kennzeichnen. (Guckt euch mal die Slytherins an, mir schmerzt das Harry-Potter-Fanherz.)

Wenn … ja, wenn. Wenn ich mein „Food“ wasche, ist es auch „clean“. Wenn ich das in der Waschmaschine tue, ist es aber vermutlich nicht mehr gesund. Wenn wir „echte Frauen“ suchen, finden wir sie überall dort, wo sich jemand als Frau definiert, nicht nur in einer bestimmten Kleidergröße. Oder mit bestimmten Geschlechtsmerkmalen. Anders gesagt: Wenn wir die Worthülsen hinterfragen, die wir da so in die Welt rausschmettern, stellen wir oftmals fest, dass in der Hülse rein gar nix ist. Und dann kann eins sie auch wegwerfen. Oder recyceln.

Die großen, bösen Ismen, die sehen wir mittlerweile (fast) alle. Okay, das mag ein filterbubbleverzerrtes Bild sein, aber trotzdem. Da geht es aufwärts. Aber die kleinen Fiesitäten bleiben nun mal ebenfalls hängen. Oft länger als die komplett offensichtlichen Beleidigungen und Diskriminierungen. Denn wenn’s nur so nebenbei ist, so ein einzelnes Wort … das ist gerne mal ungleich viel schwerer wegzudenken als eine generelle Geisteshaltung.

Also, halten wir fest: Ihr dürft alle sagen, was ihr wollt. Das gilt immer noch, das gilt immer. Aber erwartet nicht, dass ich immer Däumchen drehe und grimmig, aber stumm dazu nicke. Manchmal, um nicht zu sagen immer öfter, komm ich vorbei und weise darauf hin, dass da ein Wort gefallen ist, über dessen Verwendung noch mal nachgedacht werden könnte. Und ich bitte darum, dass ich genauso behandelt werde. Ein Call-Out ist kein Redeverbot, keine Bestrafung und keine Verdammnis auf ewig, ein Call-Out ist eine Chance, etwas zu lernen. Ich finde das spannend. Andere finden das überempfindlich, unlocker oder hysterisch.

Apropos „hysterisch“. Auch so ein Wort, nicht wahr. Gerne googeln und dann nicht mehr benutzen. Oder sagt es doch gleich auf deutsch: „Du bist so … gebärmutterisch!“.

Denkt mal drüber nach, ihr Gallensteine! (Equal opportunity insults’r’us) (Ich darf das, ich bin seit Anfang März gallenblasenlos)

P.S. Hier habt ihr knapp viereinhalb Stunden Peppa Pig in Dauerschleife. Was soll ich sagen, das Kind war eine Woche krank zuhause.

P.P.S. Da! Zum Schluss! Doofe Witze! I’m back! Hurra!

P.P.P.S. Scheiße, das heißt wohl, ich muss das jetzt wieder öfter machen.

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2 Gedanken zu “Bla, bla und bla

  1. Ja. Das was Du sagst. Sprache ist wandelbar, und wir wandeln die unsere aus Bequemlichkeit dann doch nicht…ach, ich kann mich gerade so überhaupt nicht ausdrücken. Aber Recht haste.

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