Bei Grabthars Hammer, baut mir einen Garten!

Ich hab ja früher beim Radio Filmbesprechungen gemacht. Mal gucken, ob ich das noch kann. Und nein, es geht um keinen der 50 IMDB-Topfilme, meine 50-Things-Challenge versumpft derzeit fürchterlich. Aber: Ich war im Kino! Ganz alleine! Und ich hab einen Klischeefrauenfilm geguckt, jawollja!

Und ja, es hat mir gefallen. Achtung, Spoiler. Aber vermutlich keine allzu überraschenden.

In Deutschland heißt der Film „Die Gärtnerin von Versailles“, sein Originaltitel lautet „A Little Chaos“ und bezieht sich auf die Ansichten der Gärtnerin Sabine de Barra, die zur Zeit von Louis XIV wohl ziemlich revolutionär gewesen wären – hätte es Sabine de Barra denn überhaupt gegeben. Die ist aber frei erfunden, und damit ist eigentlich auch schon klar, dass es sich bei dem Film nicht um ein historisch korrektes Drama handelt. Im Gegenteil, „A Little Chaos“ ist erst mal vorrangig in zwei Kategorien einzuordnen: „Fluff“ und „Schauspielerparade“. Den Fluff, das zuckerwattige Element, liefert die Liebesgeschichte zwischen Louis‘ Hofgärtner André Le Nôtre und Sabine de Barra, die für meinen Geschmack etwas zu, na ja, unproblematisch verlief, angesichts der Tatsache, dass er immerhin verheiratet war. Nun gut, das mag am Königshof nicht allzu viele interessiert haben, andere Zeiten andere Sitten und so, aber wie gesagt: So ein bisschen mehr Skrupel allerseits hätte ich mir anscheinend gewünscht. Und ja, das verblüfft mich selbst.

Die Schauspielerparade? Nun, gucken wir uns mal die Besetzung an: Kate Winslet als Sabine de Barra, Alan Rickman – der auch Regie führte und am Drehbuch beteiligt war – als Louis XIV, Stanley Tucci als Louis‘ Bruder Philippe d’Orléans, Narcissa Malfoy alias Helen McCrory als böse Ehefrau von Le Nôtre und Matthias Schoenaerts als ebendieser Gartengestalter de Luxe. Leider ist McCrorys Rolle sehr eindimensional geschrieben (obwohl sie das Beste daraus macht) und Schoenaerts bleibt irgendwie so beige, wie seine Figur optisch dargestellt wird. Natürlich, er ist sehr schön anzuschauen, aber ähnlich wie seine Angetraute dient er eher als Projektionsfläche – wo sie die offensichtliche Bösewichtin des Films darstellt, ist er der quasi perfekte, nur ein kleines bisschen seelisch gequälte Märchenprinz. Die spannenderen Figuren sind da schon in den Rollen von Rickman, Tucci und natürlich Winslet zu finden. Aber vielleicht sollte ich mal eben etwas zur Story erzählen, nicht wahr …

Na ja, eigentlich ist mit dem Trailer schon alles gesagt: Louis XIV will gefälligst einen Garten in Versailles haben, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Schließlich soll sein Hofstaat, also um die 2000 Leute, mit ihm dort hinziehen. Dass André le Nôtre als Mitglied einer Gärtnerdynastie den Job kriegt, ist eh klar. Aber wer soll ihm dabei helfen? So ein bisschen Inspiration von außen ist ja nicht schlecht, und deswegen lädt der große Gartenarchitekt diverse hoffnungsvolle Aspiranten ein, ihm ihre Pläne zu präsentieren. Unter ihnen ist auch Sabine de Barra, über die wir erst nicht viel mehr erfahren außer dass ihre Haltung zum Gärtnern weitaus sinnlicher ist als die strikte Geometrie des Herrn le Nôtre. Natürlich irritiert ihn das – und natürlich interessiert ihn das. Sabine erhält also den Auftrag, das Ballsaal-Boskett in den Gärten von Versailles zu errichten. Schon bald kommen die Gärtnerin und ihr Chef sich trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten näher, und wir lernen auch, weswegen Sabine ihre Arbeit nicht nur als Leidenschaft und Berufung, sondern auch als Zuflucht und Trost betrachtet.

Und, habt ihr die Klischees gezählt? Natürlich sind sie in Massen vorhanden. Der kühl kalkulierende Mathematiker, dessen Leidenschaft durch das Manic Pixie Dream Girl, pardon, la demoiselle manique féerique des rêves (ähhh?) erweckt wird. Die Frau, deren Vergangenheit Tragisches verbirgt und die sich vom Mann ebenso zurückretten lässt, wie sie ihn rettet. Der Aufstieg des Aschenputtels bei Hofe, die alle aufgrund ihrer Natürlichkeit, Weisheit und ach so erfrischenden Art bezaubert. Und selbstverständlich fehlen auch die Szenen zwischen Gärtnerin und König nicht, in denen er endlich mal wie ein normaler Mensch behandelt wird und das auch noch zu schätzen weiß.

Kurz: Ich könnte den Film problemlos niedermachen, wenn ich wollte, Ansätze dazu sind genug da. Aber ganz ehrlich, mir war vorm Betreten des Kinosaals klar, was mich erwartet, genau das habe ich gekriegt, und genau das wollte ich auch. Wie gesagt, die Schauspieler sind größtenteils fabelhaft und machen zum Teil (Stanley Tucci als offen homosexueller Dandy allen voran) mehr aus ihren Rollen, als diese hergeben. Kate Winslet spielt die Sabine de Barra mit allen Facetten, die die Figur ihr bietet und wird dabei von der Kamera förmlich umschmeichelt. Und ja, es ist so verdammt angenehm, eine Frau in so einer Rolle zu sehen, die ungeniert so alt aussieht, wie sie ist und die außerdem nicht so schmal ist wie sonst viele Schauspielerinnen, die wir als Heldin auf der Leinwand zu sehen kriegen. Fairerweise sei gesagt, dass Winslet zum Zeitpunkt der Dreharbeiten schwanger war, aber trotzdem: Sie sieht nun mal aus wie eine Frau, die das erlebt haben könnte, das der de Barra passiert ist. Und die Kameraführung spiegelt das wider. Und Alan Rickman ist Alan Rickman ist Alan Rickman, was soll ich zu ihm noch sagen, ihr dürft euch hier einfach vorstellen, wie ich Wayne-und-Garth-gleich auf den Knien liege vor diesem Mann. I’m not worthy!

Falls sich jemand für den Bechdel-Test interessiert: Schwierig. Es gibt zwar eine Szene im Boudoir der Marquise de Montespan (möglicherweise entfuhr mir bei ihrem Anblick im Kino ein freudiges Quieken, denn sie wird von Jennifer Ehle gespielt!), in der sich die Hofdamen über etwas anderes als Männer unterhalten, aber letztendlich bleibt es bei familiären Themen. Vorwarnung: Diese Szene hat mich zerstört. Und ich könnte mir vorstellen, dass es anderen Frauen auch so geht. Ansonsten werden die Frauen zwar durchwegs als eigenständige Persönlichkeiten dargestellt, aber um viel anderes als ihre Beziehungen drehen sich die Gespräche nicht.

Ach ja, und eins möchte ich klar bemängeln: In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Film um Gärtnern dreht, hätte ich durchaus gerne noch mehr vom tatsächlichen Bau des Bosketts oder der restlichen Gärten von Versailles gesehen. Klar, es gibt diverse sehr sinnliche Szenen, in denen die Natur eine wichtige Rolle spielt, aber gerade weil diese Momente so gut funktionieren, hätte ich dabei stundenlang zugucken können.

Fazit: It’s so fluffy, I’m gonna die! However, needs more gardening.

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