#ESCParty – Hopp Schwiiz! (Na ja.)

Wie gestern versprochen, hier mein Beitrag zum Thema #ESCParty. Und ganz ehrlich, ich glaub ich mach dann zu den jeweiligen Halbfinals und dem Finale auch noch was. Der Schweizer Beitrag hat den ganzen Aufwand nämlich beim besten Willen nicht verdient. Der Song ist laaangweilig und das Video hochnotpeinlich, ohne amüsant-schlecht zu sein. Ayla vom Clan der Teddybären trifft Ntschotschi und hat dabei ihre 90er-Smokey-Eye-Schminkpalette im Gepäck. Seufz. Aber hey, es könnte schlimmer sein. Never forget.

Die wenig überraschende Enttäuschung über den Schweizer Beitrag hat mich aber natürlich nicht daran gehindert, mich in die Küche zu begeben. Wo ich feststellen musste, dass meine Küchenwaage keine Batterien mehr hat. Aber hey, Handgelenk mal Pi (sic, in der Schweiz wird nicht über den Daumen gerechnet!) klappt auch irgendwie. Und das hier stand heute früh zwecks Brunch auf dem Tisch, eignet sich aber auch als Fingerfood vorm TV:

Bärner Ankezüpfe. Diesmal im Kleinformat.

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Ein typisches Rezept gibt’s z.B. hier, ich benutze das aus dem TipTopf, das ist ganz ähnlich. Merke: Der Schweizer Zopf ist nicht süß, sondern kann auch pikant belegt werden. Zum Beispiel mit Hamme, also Bauernschinken. Hatte der Rewe gerade nicht vorrätig, also gab’s Schwarzwälder Schäufele, von mir so fotografiert, dass das Fleisch aussieht wie frisch aus dem 70er-Jahre-Kochbuch. Lecker. Aber hey, ESC ist ja auch immer Nostalgie, nicht wahr?

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Apropos Nostalgie, ihr gestattet sicherlich, dass ich zwischendurch auch mal ein paar Schweizer Beiträge aus alten Zeiten poste. Und ja, ich erinnere mich an alle. I am the Spencer Reid of the ESC.

Hach ja, Pfuri, Gorps & Kniri. Gorps war immer mein Liebling, denn „Gorps“ bedeutet Rülpser auf Berndeutsch. Und ich war schon als Kind leicht zu amüsieren.

Neben Zopf und Hamme musste natürlich auch etwas Kartoffeliges her, ich hab mich statt für Rösti für Härdöpfutätschli entschieden, weil Fingerfood und so. Ohne Käse drauf, dafür mit Käse drin. Emmentaler, um genau zu sein. Allgäuer Emmentaler, um die komplette Schmach und Schande meinerseits einzugestehen. Und nee, die waren nicht angebrannt, die sehen nur angebrannt aus und überhaupt, ich kann halt nur „sieht seltsam aus, aber schmeckt gut“. Hmpf.

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Und dann durfte ein Klassiker meiner Kindheit natürlich nicht fehlen: Wurschtwegge! Auch hier im handlichen Miniformat, und mit Hackfleischfüllung statt Brät. Früher gab es die Dinger bei uns immer mit Brät gefüllt, später ist meine Mutter dann auf Hackfleisch umgestiegen. Wir nannten sie trotzdem noch Wurschtwegge. Das Rezept ist eigentlich keins, das ist so einfach: Hackfleisch anbraten und nach Gusto würzen (bei mir: Salz, Pfeffer, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch, Tomatenmark, Senf), auf Blätterteig legen, zuklappen, festdrücken, backen.

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Kriegt eins heute eigentlich noch Brät? Beim Metzger vielleicht? Ich hab beim Produzieren meiner Standard-Fest-Pastete bisher hierzulande immer auf den Fleischkäse zum Selberbacken in der Aluschale zurückgegriffen. Klappt auch. Ach ja, echt nostalgisch-schweizerisch wäre übrigens das Würzen mit Aromat und Maggi. Kindheitserinnerung: Wie in den Restaurants statt wie in Deutschland nur Salz und Pfeffer in der Schweiz stattdessen Salz, Pfeffer, Aromat, Maggi und gerne auch noch hartgekochte Eier oder Butterstengeli auf dem Tisch standen. Und wie ich mir mal quasi ein ganzes Ei in den Mund gesteckt habe, weil wir losfahren sollten, den Mund dann so voll hatte, dass das Ding weder vor noch zurück ging und ich es dann den ganzen Heimweg über in der Klappe behielt. Vermutlich eine erholsam stille Fahrt für den Rest der Familie …

Rausgespuckt hab ich das Ei dann brav erst zuhause. Ich bin halt eine – wait for it – Swiss Lady, ne.

Das Geschmodder auf Härdöpfutätschli und Wurschtwegge ist übrigens der restliche Belag des gleich folgenden Flammkuchens. Ja, Flammkuchen ist nicht schweizerisch, aber wenn man Frischkäse und Joghurt mit ordentlich viel geriebenem Schabziger mischt, dann sehr wohl. Schabziger gibt’s ja im Rewe in Lörrach zu kaufen, und ab und zu muss das einfach sein. Das ist so ein ähnliches Bedürfnis wie das Zöpflisandwich mit Schinken und die Pulle Rivella Blau dazu am Flughafen, jedesmal wenn ich aus Australien zurückkam und Schweizer Boden betrat. Ich bin beim besten Willen nicht sonderlich patriotisch, aber gewisse Aromen und Lebensmittel sind halt … heimelig. Deswegen: Schabziger-Flammkuchen mit Speck und Birne. Rezept selbsterklärend, richtig? (Wir erinnern uns daran: Ich bin sehr offensichtlich keine Foodbloggerin, und ich habe keine funktionierende Küchenwaage…)

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Apropos Rivella: Gibt’s hier auch zu kaufen. Heißt nur anders.

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Und wo ich gerade bei Schweizer Exporten bin: Dass die Lovebugs es damals nicht weiter geschafft haben, erstaunt mich irgendwie immer noch. Andererseits hab ich nun mal eine Schwäche für die Band, und die Bands, die ich gut finde (Hallo The Ark!), gehen gerne mal mit Songs zum ESC, die einiges schwächer sind als ihr übliches Material. Seltsam.

Zum Nachtisch gibt’s natürlich was Süßes – obwohl, so süß sind Bündner Nusstorten eigentlich gar nicht. Aber ganz, ganz fürchterlich lecker. Ich könnt mich reinlegen. Ich mach sie nur selten, weil ich Mürbeteig in der Theorie immer für mühsamer halte als er in der Praxis dann ist. Go figure.

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Ich würd euch jetzt gerne ganz viel zum Thema Graubünden und Rätoromanisch und Rumantsch Grischun (Schriftsprache) erzählen, aber ganz ehrlich: Ich kenn mich da überhaupt nicht aus. Ich verstehe auch nur Bahnhof. Und ich find’s total schade, dass wir damals in der Schule kaum etwas darüber gelernt haben.

Okay, vielleicht hab ich auch nur nicht aufgepasst. Immerhin hat die Schweiz auch mal ein rätoromanisches Lied an den ESC geschickt. Hätten sie besser bleiben lassen.

Ja, genau, die Moderatorin des ESC 1989 war mal mit Loddarmaddäus verheiratet. Lolita Morena, falls ihr den Namen nicht mehr wusstet. Und wenn ihr euch gerne unglaublich alt fühlen möchtet: Der Sohn von Loddar und Lolita ist mittlerweile alt genug, um sich tätowieren zu lassen. Und zwar den Namen seiner Mutter. Nein, ich hab das nicht frei erfunden, aber ich poste keine Links zum Blick, sorry. (Der Blick ist die Schweizer Bildzeitung. Nuff said.)

Darauf einen reinigenden Schluck Rivella. Blau, nicht Light. Grummel. Und fragt mich schon gar nicht, was ich von der Mittermeier-Rivella-Werbung halte. Argh.

Was hatte ich noch vor in Sachen ESC-Party? Ach ja, Deko. Schwierig, denn es ist ja gerade nicht um den 1. August rum. Glaubt mir, zu der Jahreszeit kann man sich in der Schweiz vor rotweiß und Schweizerkreuzen kaum retten. Ich hatte davon leider gar nichts mehr im Haus, höchstens noch irgendwo ein paar bengalische Streichhölzer, aber wir reden hier ja nicht vom Captain’s Dinner beim Traumschiff, es werden also keine Bündner Nusstorten abgefackelt. Stattdessen hab ich auf das zurückgegriffen, was gerade da war: Den selbstgepflückten Wildblumenstrauß, den ich vom Sohn zum Muttertag gekriegt habe. Und dazu etwas Vichy-Karo, farblich passend. Zugegeben, nicht viel Deko, aber es hat etwas Währschaftes, wie in der Fressbeiz irgendwo im Ämmitau oder in irgendeinem schtotzigen Heemetli im Chrache hinger.

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Ach kommt, ihr mögt es doch, wenn ich Schweizerdeutsch schreibe. Ihr denkt vermutlich auch, dass ich klinge wie uns Adolf Ogi.

Nüscht. Mir hört kaum wer meine Herkunft an, wenn ich nicht will. Ich bin da Kosmopolitin. So’n bisschen wie Céline Dion 1988. Ihr wisst schon, damals noch unbekannt, dann ESC-Gewinnerin für die Schweiz – wär hets erfunde, quasi. Und nun, geht ihr mit mir „Hand in Hand in einen neuen Morgen“?

Ich geh jetzt erst mal kichernd ab. Mahlzeit!

(Und denkt dran: Wer mag, mitmachen! Hashtag #ESCParty!)

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