Frei nach Wilhelm Busch

Am Esstisch, beim Abendbrot. Wir haben gestern im französischen Supermarkt, zu dem ich so einmal im Jahr unbedingt fahren will, unter (viel) anderem den Streichkäse mit der lachenden Kuh gekauft. Auf jeder Einzelportionspackung: Ein Buchstabe. Dazu die Spielanleitung (ich paraphrasiere mal aus dem Französischen):

Zieh einen Buchstaben.
Nenne folgende Dinge, die mit dem Buchstaben beginnen:
1. Etwas in der Küche
2 Etwas Leckeres
3. Eine Fleischsorte

Schon beim Frühstück war der Sohn mit Begeisterung dabei – nicht zwingend mit Können, aber mit Begeisterung. Beispiel: Sein Vorschlag für etwas in der Küche, das mit dem Buchstaben H beginnt.
„SCHRANK!“

Beim Abendessen ging es ähnlich zu – Hauptsache, der Buchstabe kam irgendwo vor. Oder klang so ähnlich. So wurde beim D kurzerhand „TEE!“ als etwas Leckeres aus der Küche genannt. Wobei, der Mann interpretierte die Regeln auch ziemlich, nun ja, frei.

Oder hat hier schon mal jemand die Fleischsorte „Nilpferdrücken“ probiert? Dafür mir dann den Vorschlag „Dackel“ in der gleichen Rubrik bei D streitig machen. Jaja.

Am schlimmsten wurde es beim J. Etwas in der Küche.

Ich: „Joghurtmaschine!“
Mann: „Öhhhh… Jodeltopf!“
Ich, gekränkt in meiner Schweizer Ehre: „Was bitte schön ist ein Jodeltopf?!“
Mann: „Ein, äh, anderes Wort für Raclettetopf!“
Ich: „RACLETTETOPF?! ES GIBT KEINE RACLETTETÖPFE!“
Mann: „Fonduetopf?“
Ich: „Auch der heißt nicht Jodeltopf!!!
Sohn: „JODELTOPF!!!“

Ich: „Und die Mutter blicket stumm auf dem ganzen Tisch herum.“

Immerhin, der Sohn erinnerte sich bei den Leckereien mit J daran, dass ich vorher „Joghurtmaschine“ gesagt hatte und brüllte „JOGHURT!!!“. Extrapunkte dafür, dass der gesuchte Buchstabe a) tatsächlich im Wort vorkam und dies b) weder in der Mitte noch c) am Ende. Schließlich war sein Vorschlag bei R „HUMMER!!!“ gewesen. Ein Minigourmet in spe, offensichtlich. Leider nicht so begabt im Schummeln, immer wenn ich ihm einen Lösungsvorschlag zuflüsterte, wiederholte er ihn laut und ergänzte: „DAS HAT MIR MAMA GESAGT!!!“. Weil der Mann das Bühnenflüstern quer über den Tisch ja sonst nicht mitgekriegt hätte…

Nun gut. Etwas Leckeres mit J.

Mann: „Johannisbeermarmelade!“
Ich, nicht verlegen: „Johannisbeersaft!“
Der Mann guckt beleidigt.
Ich: „Ich kann auch gerne was anderes nennen, aber ich nehme nicht Jodeltopf!
Mann, mit gespielter Empörung in der Stimme: „Neenee, schon gut.“

Und dann noch eine Fleischsorte mit J.

Ich: „Äh… Jagdschnitzel!“
Mann: „Das heißt Jägerschnitzel. Übrigens.“
Ich: „Jaaahaaa, wenn ich hier ins Restaurant gehe und ein Jagdschnitzel bestelle, gucken die mich vielleicht komisch an, aber ich krieg was auf den Teller. Geh du mal in ein Schweizer Restaurant und bestell Jodeltopf!“
Mann: „Pffft. Jagdwurst.“
Sohn: „JÄGERFLEISCH!!!“

(Werte Jäger der Gegend, nehmt euch in Acht. Hannibal Lecter Junior hat Pläne.)

Sohn: „UND WER HAT JETZT GEWONNEN?!?!“
Mann: „Na, im Zweifelsfall du.“
Sohn: „UND WER HAT VERLOREN?!?!“
Mann: „Im Zweifelsfall ich.“
Ich: „Du warst schon bei Jodeltopf raus, Schatz.“

Kurz: Ich kann dieses Spiel nur empfehlen. Geht auch ohne Käse und lachende Kuh. Gegackert wird eh allenthalben.

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