Vier

Ach, der Til wieder. Ich meine, ich hab den gestrigen Tatort ja nicht mal geguckt, und den davor nur so halbwegs im Off, von dem her darf ich eigentlich gar nicht mitreden, gell? Auch deswegen nicht, weil ich nicht vom Fach bin und folglich eh keine Ahnung habe. Meint der Til. Aber wisst ihr, was ich meine? Was der Til meint, kann mir wumpe sein. Sollten alle anderen auch mal probieren.

Es ist doch so: Es gibt da draußen rumtrötende Flachpfeifen, denen sollte eins zuhören, weil sie politisch gefährlich sind. Ob eins mit ihnen diskutieren sollte, sei dahingestellt. Aber wahrnehmen müssen wir sie, weil sie sonst noch mehr geistige Brandstiftung betreiben. Der Til hingegen? Nun ja. Ich frag mich halt: Was würde eigentlich passieren, wenn dem mal eine Runde lang niemand mehr zuhört? Wenn wir ihm seine vermeintlich naturgegebene Plattform als weißer Heteromacker entziehen, indem wir nicht mehr über ihn reden? Also, konkret: Was würde uns, was würde der Gesellschaft Schlimmes passieren? Oder wären die Konsequenzen vielleicht nur für ihn selbst förchterlöch schlümm? Würde er implodieren? Oder würde er einfach weiterhin KUNST produzieren?

Ihr wisst schon, „KUNST“. Ästethisch gefilmtes Geballere. Ich hab dem Ehemann heute versucht zu erklären, dass es mir langsam aber sicher auf den Wecker geht, wie gerade im Action-Genre Stil über Substanz geht (Hallo Tarantino, jajaja, Blasphemie, ich weiß!), und wie solche männlich konnotierten Filme gerne künstlerisch überhöht werden, während Filme die zum Beispiel aus der Rubrik romantische Komödie kommen, als grundsätzlich niveaulos (weil weiblich konnotiert, ne) gelten, egal ob sie eine tiefsinnige Message enthalten oder nicht. Worauf der Mann natürlich damit konterte, dass Til Schweiger ja eigentlich vor allem für romantische Komödien bekannt ist. Ja. Schon. Leider. Aber es sind romantische Komödien aus Männersicht, die immer die Geschichte erzählen, wie der Til eigentlich ein Arsch ist, aber doch irgendwie liebenswert, und überhaupt, die Liebe einer guten Frau macht bekanntlich aus jedem Arsch einen guten Menschen. Was traurigerweise leider eine wirklich weit verbreitete weibliche Fantasie ist. Ich gehörte auch lange zu ihren Anhängerinnen, bis mir klar wurde, dass ich mich ja auch gleich für einen brauchbaren Mann entscheiden könnte, statt einen Arsch umbauen zu wollen. Kann ich nur empfehlen, ist viel weniger anstrengend.

Und ich vertrete eben auch die Meinung, dass es viel weniger anstrengend wäre, den Til einfach labern zu lassen, wenn er schon nicht, höhö, schweigen kann, denn egal was eins erwidert, er wird immer das letzte Wort haben wollen. Soll er doch. Selbstgespräche sind auch was Nettes.

Also, hiermit mein Aufruf an Menschen und Medien: Don’t feed the Tils.

(Und weil er sich so über moppelige Menschen ärgert, gibt’s nun ein Video von Beth Ditto. Der hingegen sollten wir öfter zuhören. Hier zum Beispiel.)

I Wrote the Book von Beth Ditto auf tape.tv.

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