Zehn

Wir durften heute beim Frühstück ausnahmsweise mal Radio statt Kinderhörspiel hören, der Sohn zeigte sich also von seiner großzügigen Seite. Allerdings hatte ich einen Sender mit recht hohem Textanteil eingestellt, weil bei schlechtem Wetter hier oben nichts anderes empfangbar ist. Was wiederum zur Folge hatte, dass der Sohn immer genau hinhören wollte – sobald geredet wird, brüllt es auch im Auto stets „RADIO LAUTER!!!“. Und dies wiederum brachte auch eher laute Musik mit sich.

Warum der Sohn aber bei diesem Lied plötzlich „SIND WIR DENN HIER AUFM PFERDEHOF?!?!?!“ brüllte, erschloß sich uns erst, als er uns zungenschnalzend vormachte, dass das eine Rhythmusinstrument entfernt an Pferdegetrappel erinnerte. Alles klar soweit. Allerdings regte dieses Geräusch des Sohnes Fantasie an.

Wie es dann wiederum dazu kam, dass wir allesamt mit verteilten Rollen am Tisch saßen – der Mann als „möööömmmmömöömöööööööm“ machendes Motorrad, ich als Hase, der das Lenkrad bediente, und der Sohn, der als Pferd auf dem Motorradsattel herumtanzte… nun, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr. Aber wir waren bestimmt sehr überzeugend. Zumindest waren wir mit Leidenschaft dabei. Und zu zwei Dritteln eher verwirrt.

Insofern bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob es wirklich so fürchterlich schlimm ist, dass das Leben kein Ponyhof ist.


Amanda Marshall — Dark Horse

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