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Heute mal schon vormittags bloggen, weil ich abends im Nachtzug nach Berlin sitze. Ohne fixen Anlass außer „Mal wieder Stadt“. Es ist ja gesellschaftlich immer noch etwas verpönt, wenn eins sich als Hausfraumutter hinstellt und sagt „So, ich bin jetzt mal weg und brauche Zeit für mich, macht mal alleine“, aber ich bin ja bekanntermaßen einerseits dreist und andererseits sehr privilegiert. Nennt mich Sigmar Gabriel.Oder Gabriele Sigmar.

Ich habe noch keine genauen Pläne für Berlin, vielleicht ein bisschen Berlinaleluft schnuppern, vielleicht noch mal „Star Wars“ gucken, mit ziemlicher Sicherheit auch „Deadpool“, was natürlich beides ziemlich weit entfernt von Berlinalethemen ist. Aber wenn ich schon mal nicht präsent sein muss und nicht fremdbestimmt bin, werde ich den Teufel tun und mich mit Dingen beschäftigen, die „man halt so tut, wenn man in Berlin ist“. Ich meine, ich hab zwei Supermärkte in Hotelnähe, kostenloses WLAN und Pay-per-View, vielleicht bleib ich auch einfach größtenteils liegen.

Vermutlich nicht, natürlich. Aber es tut mir schon als Vorbereitung gut, mir alle Optionen offenzulassen. Denn an solchen Wochenenden geht es ums Nichtsmüssen, ums frei von der Alltagsrolle sein. Nicht dass ich mich komplett anders benehme, wenn ich alleine unterwegs bin – der Illusion, dass ich unter anderen Vorzeichen eine andere Person bin, geb ich mich schon lange nicht mehr hin, wherever you go there you are und so. Aber anonym in der Masse untergehen, Leuten ohne Meinung über einen (abgesehen von den üblichen gesellschaftlichen Vorurteilen natürlich) begegnen, keine Rücksicht auf die üblichen Gegebenheiten nehmen müssen – brauch ich einfach ab und zu.

Das hat nicht mal wirklich irgendetwas mit glücklich oder unglücklich sein zu tun – es ist einfach ein Auffüllen einer der diversen Energietanks in mir drin. Manche davon füllen sich durch den Sohn, die Familie. Andere füllen sich durch Kreativität. Wieder andere füllen sich durch Ruhe. Und der Großstadttank ist nun mal schon seit einiger Zeit leer. Mal gucken, was Berlin diesbezüglich zu bieten hat, wenn ich mal nicht im Namen der die ärzte unterwegs bin.

Und wisst ihr, was ich mir jetzt spare? Den gefühlt obligaten Absatz mit dem Vermissen des Kindes und der demütigen Dankbarkeit dem Mann gegenüber inklusive Abfeierei, weil er sich kümmert. Denn hey, Ersteres ist ein Fall für „well, duh“ und Zweiteres sollte verdammt nochmal selbstverständlich sein. So.

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