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Ich war gestern alleine im Kino und hab mir „Sisters“ angeguckt. Disclaimer: Ich kenne mich mit dem Werk von Tina Fey und Amy Poehler nicht wirklich aus, weil mir „30 Rock“ immer zu gemein war und ich an „Parks & Recreation“ noch nicht wirklich ran kam. Vermutlich würde ich aber Letzteres eher mögen als Ersteres. Und eigentlich hatte ich erst vor, „Deadpool“ zu gucken, aber der lässt sich spontan in Deutschland kaum im englischen Original auftreiben und tja, ich hab da so meine Ansprüche. Außerdem ist das ein ideales Date Movie für den Mann und mich.

Grundsätzlich ist es so, dass ich mich bei diesem Comedystil à la Rogen, Apatow usw. zum Teil ganz gut amüsieren kann („Pineapple Express“ zum Beispiel fand ich damals urkomisch, keine Ahnung, ob das jetzt auch noch so wäre), aber oftmals ist mir der Humor auch einfach zu… na ja. Flach. Billig. Fäkalorientiert. Blödsexwitzchenmäßig. Und zu -istisch in vielen Bereichen. Bei „Sisters“ war es so, dass ich mich in manchen Gedankengängen doch sehr wiedergefunden habe – aber es waren nicht die Gefühle der Protagonistinnen, sondern die einiger Nebenfiguren. Und einmal mehr musste ich feststellen, dass diese Sorte Geschichte und Humor, die ja gerne mal als ach so feministisch und fortschrittlich gelobt wird, beim besten Willen für mich weder das eine noch das andere ist. Für mich ist es weder feministisch noch fortschrittlich, wenn Frauen sich so benehmen, wie es früher nur Männer in Filmen taten. Diese „Oh, guckt mal: Frauen können genau so brutal/skrupellos/vulgär usw. sein wie Männer, ist das nicht tohohoooll?“-Haltung, das entspricht nicht meiner Ansicht von Weiterentwicklung im positiven Sinne, denn sie orientiert sich ja trotzdem an männlich konnotiertem Verhalten als Idealbild. Also geht mir weg mit der Behauptung, dass das irgendwie feministisch ist.

Ich meine, okay, der Film hat seine Momente, wie zum Beispiel die Szene, in der Poehlers Figur Maura versucht, den Namen der koreanischen Kosmetikerin richtig auszusprechen, und sich nicht davon überzeugen lässt, dass sie es falsch macht. Worauf die Kosmetikerin dann Mauras Namen bewusst wiederholt falsch ausspricht. Aber natürlich bleiben die asiatischen Charaktere ansonsten zweidimensional und klischiert, natürlich ist der Dicke im Film verzweifelt lustig und lustig verzweifelt, natürlich sind die lesbischen Figuren handwerklich begabt, und so weiter, und so fort.

Das ganze Genre, das mit dieser Sorte Humor arbeitet, krankt an einem gewaltigen Denkfehler: Dem Grundgedanken, dass eins sich ja über die eigene Kultur und die Figuren, die sie repräsentieren, lustig macht, und dass eins deswegen auch über alle anderen Kulturen Witze machen darf. Und das funktioniert nun mal nicht. Also, es funktioniert natürlich rein kommerziell offensichtlich schon, aber es ist beim besten Willen kein Fortschritt. Wirklich, wirklich nicht.

Kurz: Ich hab bei „Sisters“ ab und zu gelacht, ja. Aber habe das Kino ohne warmes Gefühl im Bauch verlassen, im Gegenteil. Ich fühlte mich ziemlich unwohl. Weil es mir stinkt, dass Fey und Poehler als feministische Vorbilder gesehen werden. Das gilt auch für Amy Schumer und Jennifer Lawrence. Meryl Streep nach ihren Äußerungen an der Berlinale ebenso, wobei das ja irgendwie schon nach „Suffragette“ klar war. Ich könnte endlos Namen aufzählen. Und natürlich würde ich ab und zu am liebsten eine Runde „not all white feminists“ brüllen, aber um Himmels Willen, so sind wir halt. Ich kann mich da ja auch nicht drüber stellen, ich gehöre ja systemisch und sicher viel zu oft auch gedanklich dazu. Isso.

Ach ja, als Trailer gab’s unter anderem „Zoolander 2“, mit Cumberbatch in dieser unsäglichen „Parodie“ auf Menschen, die genderfluid sind. Und „Der geilste Tag“, mal wieder ein deutscher Film mit Matthias David Schweigefitz in einer „wir sind todkrank, aber soooo inspirierend“-Story.

Bestimmt hat „Deadpool“ auch seine problematischen Stellen. Aber je nun. Schlimmer als „Sisters“ wird es wohl nicht werden. Hoffe ich.

(Was das heutige Video angeht: Der Ton am PC funktioniert irgendwie nach dem Windows-Update nicht mehr, aber das hier ist hoffentlich so übel, wie ich es mir vorstelle, richtig?)

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