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Ja, eigentlich wollte ich heute über den Sohn und das Barbie-Agententeam bloggen, ich weiß. Dann hab ich aber beim Metzger die Bild-Schlagzeile „Hat sich Roger Cicero totgearbeitet?“ gelesen, und ich hätte jetzt ein paar komplett rethorische Gegenfragen.

1. Geht’s noch? (Hier die rhetorische Antwort auf alle diese Fragen: Nee, ist ja die Bild)
2. Müssen wir ernsthaft die Schuldfrage diskutieren?
3. Wäre das nicht vielmehr eine Gelegenheit, darüber zu sprechen, in was für einer absurden Leistungsgesellschaft wir leben, dass sich jemand, der es finanziell vermutlich nicht wirklich nötig hat, in der Pflicht sieht, sich wieder in die Arbeit zu stürzen?
4. Und selbst wenn das freiwillig geschehen ist, weil persönliche Leidenschaft und so, in was für einer Gesellschaft leben wir, die ein solches Verhalten heranzüchtet, ja sogar lobt?
5. Mal abgesehen davon, wie übel ist es, dass jetzt in Betroffenheit gemacht wird, um Klicks zu generieren oder Papiererzeugnisse („Zeitung“ nenne ich die Bild nicht) zu verkaufen?
6. Und dass in diesen Clickbaitartikeln munter drauflos das Opfer beschuldigt wird, obwohl es uns alle einen feuchten Dreck angeht, inwiefern sein Verhalten möglicherweise oder auch nicht zu seinem Tod geführt hat?
7. Überhaupt, können wir bitte mal aufhören, Menschen, die von Krankheit betroffen sind, ungefragt irgendwelche Verhaltenstipps mit auf den Weg zu geben?
8. Seid ihr auch alle schon so gespannt, wie lange wir uns jetzt aufs Extensivste mit dem Thema Hirnschlag befassen, bevor wir alle so weitermachen wie bisher?
9. Erinnert ihr euch noch an Robert Enke, und wie alle danach viel mehr Rücksicht nehmen wollten und bla blubb?
10. Hat irgendwer gerade Lust, was Gutes zu tun, nicht zuletzt auch in Bezug auf diese Scheißleistungsgesellschaft da draußen? Dann hier entlang, bitte.

Aber eigentlich hab ich mit Frage 1 schon alles gesagt.

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