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Die Barbie-Obsession des Sohnes. Ja. Heute dann also.

Es ist nicht so, dass im Moment alles nur Barbie-Barbie-Barbie ist, das Thema ist weniger heftig, als es zum Beispiel Dinos oder Star Wars waren/sind. Aber immer, wenn er irgendwo etwas Barbiemäßiges sieht, kommt gleich wieder: „Ich will die eine Puppe da haben. Die mit den blauen Sachen. Mit dem Abseilrucksack.“ Womit wir schon beim konkreten Thema wären: Er meint nicht Barbie an sich, es geht um Agententeam-Barbie, und da wiederum konkret um Renée.

Und damit wären wir bei meinem emotionalen Konflikt. Einerseits begrüße ich es ja sehr, dass er sich auch für Spielzeug interessiert, das klar als Mädchenware vermarktet wird. Weil es unter anderem bedeutet, dass er Mädchensachen die gleiche Wertigkeit zuordnet wie Jungssachen. Das ist schon mal erfreulich. Irgendwie erfreulich ist dabei auch, dass es eben ausgerechnet Barbie ist, diese klassische Königin des pinkfarbenen Universums. Das, finde ich, braucht schon eine gewisse seelische Gefestigtheit, wenn ein Kind, das sich als Junge wahrnimmt, so offen deklarieren kann: „Ich will das haben“. Und ja, ich klopfe mir da schon so ein bisschen auf die Schulter.

Aber.

Erstens: Es ist eben nicht nur Barbie, es ist halt auch Barbie. Und mit Barbie geht zumindest für mich eine gewisse Geschlechterrolle einher, die mir nicht passt. Natürlich, die Macher_innen versuchen diesem Image mittlerweile des Öfteren entgegenzuwirken – siehe auch curvy Barbie und so. Allerdings ärgert mich genau das irgendwie auch, und nein, bevor jetzt irgendwer sagt, dass man es mir nicht recht machen kann, es geht mir nicht darum, dass Mädchenspielzeug nicht auch vorgeblich coole Dinge wie eben das Agententeam thematisieren kann. Es geht mir darum, welche Dinge dann eben wiederum als cool empfunden werden. Der Sohn mag das Agententeam vermutlich eben nicht nur, weil das Barbiepuppen sind. Sondern weil sie Agentinnen sind.

Klartext: Eher männlich konnotierte Rollen ausüben.

Mädchensachen werden für Jungs cool, wenn sie sich mit Dingen beschäftigen, die nicht mädchenhaft sind.

Und das ärgert mich. Der Gedanke hindert mich daran, den Renée-Kauf vollumfänglich zu unterstützen. Denn umgekehrt sehen wir kaum Jungsspielzeugfiguren, die weibliche Rollen ausüben. Wo bleibt der backende Batman? Wie wäre es mit einem strickenden Spiderman? Ich würde mich schon mit einem Darth-Vader-Staubsauger zufrieden geben (aber bitte mit entsprechendem Geräusch!). Nur: Männlich Konnotiertes ist halt eh schon cool. Mädchen werden cool, wenn sie mit Jungsspielzeug spielen. Wenn sie auf dem Spielplatz rumsauen oder mitraufen. Allerdings nach Möglichkeit mit doppeltem Einsatz zwecks höherer Glaubwürdigkeit, nicht wahr. Fake-Geekgirl-Dasein lässt grüßen.

Ich sag’s ganz ehrlich: Da ist es mir dann doch lieber, wenn der Sohn auf der Lego-TV-App eine Runde der „Lego Friends“-Folgen guckt und sich auch über die Episoden amüsiert, die sich mit Frisuren, Tierpflege oder Gesang beschäftigen, typisch weiblich empfundene Rollenspiele halt. Das hat für mich in punkto gleichberechtigtem Aufwachsen eine höhere Wertigkeit.

Aber hey, er hat sich vorgestern von seinem Taschengeld ein Barbie-Heft gekauft, sich begeistert die pinkfarbene Spionbrille aufgesetzt und sich über den männlichen Sidekick der drei Heldinnen gefreut, der am PC sitzt und programmiert. Macht der Papa ja auch. Also, nicht für irgendwelche Agentinnen, soweit ich weiß. Er liest aber wenigstens zähneknirschend die doch eher simplistische Geschichte vor, in der es dann wiederum um Freundschaft, Abendkleider und Bodenturnen geht. Doch noch zu weiblich, um total cool zu sein. Immerhin.

Am liebsten wäre mir ja mal irgendwas komplett Nonbinäres. Ja. Hier so. Aufm Dorf. Muahahaha.

(Und mal ganz abgesehen von dem ganzen Genderthema finde ich 25 Euro für das bisschen Plastik auch zu teuer. Ich hatte ja nie eine Barbie, ich hatte nur eine Sindy. Noch dazu eine dunkelhaarige. Mimimi.)

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