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Manchmal bin ich so ein bisschen rückwirkend neidisch auf den Sohn. Und zwar in den Momenten, in denen wir irgendwo ankommen, wo andere Kinder sind, die er kennt, und er mit großem Hallo begrüßt wird und sie sich zum Teil darum streiten, mit wem er spielen soll. Ob es nun im Kindergarten, im Turnen, im Fußball oder nur auf dem Spielplatz ist – er ist beliebt und integriert bei gleichaltrigen und jüngeren Kindern.

Geständnis: I was a weird kid. Still am. Beziehungsweise: Ich fand mich anfangs nicht seltsam, ich war halt so, wie ich war. Aber irgendwann hat die Gesellschaft mich davon überzeugt, dass ich nicht so bin wie andere, und das nicht im positiven Sinne. Was auch immer „im positiven Sinne anders“ sein mag. Mittlerweile denke ich mir, dass das so schon okay ist – ich meine, im Internetzeitalter findet eins immer irgendwo Gleichgesinnte, auch wenn ich jetzt nicht sagen würde: Da, die Gruppe, das sind zu hundert Prozent meine Leute. Ist halt so, eine komplett kongruente Schnittmenge scheint es nun mal nicht zu geben. Aber kann das irgendjemand von sich behaupten? Letztendlich reicht es meistens, wenn die wichtigen Punkte passen. Und auch das ist mittlerweile für mich okay. War früher nicht immer so. Ich gehöre nicht zum Typus Small-Talk-Genie, zum Genre „Größter Bekanntenkreis der Welt“. Ich hab ein paar Leute, die mir sehr wichtig sind. Ich hab diverse Leute, die ich echt gut leiden kann. Aber mich grinsen nicht alle Anwesenden an, wenn ich einen Raum betrete.

Und deswegen bin ich dankbar, dass das beim Sohn anders zu sein scheint. Ich hoffe sehr, das bleibt so. Und wenn nicht, dann wünsche ich mir von uns als Eltern, dass wir ihn in seiner ganz eigenen Weirdness so bestärken können, dass er nicht so lange braucht wie ich, um sich so, wie er ist, ziemlich okay zu finden. Er ist nämlich in Wahrheit total super.

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