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So. Der „Rogue One“-Trailer ist da. Und ja, natürlich hab ich eine Meinung. Nein, sie lautet nicht wie bei den diversen Geekbros da draußen „Och nee, schon wieder eine Frau in der Hauptrolle, Menno, mimimi!“. Sie lautet: „Nun gut. Wieder so eine Frau in der Hauptrolle.“

Ja, ich bin tatsächlich mittlerweile so anspruchsvoll, dass mir „eine Frau in der Hauptrolle“ im männlich dominierten Genre Science Fiction nicht reicht. Ich würde mir auch eine Frau in der Hauptrolle wünschen, die nicht auf den ersten Blick optisch wie eine weitere Leiaversion (Endor, nicht Tatooine) wirkt. Keine Sorge, mir ist auch klar, dass in dieser weit, weit entfernten Galaxis dunkle Haare möglicherweise einfach genetisch dominieren können (und das rothaarig ja eh nicht geht, weil dann gleich alle „Mara Jade“ schreien…). Und das ist eh das kleinste Übel. Mehr Probleme habe ich mit dem bisschen an Charakterisierung, die uns der Trailer bietet. „On your own from the age of 15“ – traumatische Vergangenheit, ick hör dir trapsen. Denn es ist ja nicht möglich, eine „starke“ Frau zu sein, ohne irgendwann mal etwas Schlimmes erlebt zu haben. Und es ist nicht möglich, eine „starke“ Frau zu sein, ohne kämpfen, rumballern und emotionslos gucken zu können.

Erraten: Ich ärgere mich vor allem darüber, dass wir es mal wieder mit einer Frauenrolle zu tun haben, deren wichtigste Eigenschaften männlich konnotiert sind. Ja, ich weiß, mimimi. Die Star-Wars-Filme sind Kriegsfilme, natürlich wird da gekämpft. Natürlich haben alle wichtigen Figuren irgendein Trauma in sich, denn es herrscht Krieg. Natürlich müssen sich Frauen in einer solchen Welt ebendiese Eigenschaften aneignen, die ich kritisiere. Und ich ordne diese Charakterzüge übrigens mitnichten als „schlecht“ ein – mir geht es lediglich darum, dass traditionell weiblich konnotiertes Verhalten in solchen Werken extremst selten vorkommt.

Aber da sind doch diese ganzen anderen Geschichten, die kaum jemals erzählt werden, und die dennoch in Kriegswelten gelebt werden – gerade die weiblichen Schicksale. Ich könnte lange über Padmé Amidala herziehen (okay, vor allem über Natalie Portmans Darstellung), und dennoch: Sie war immerhin eine Figur, die sich nicht nur im Kampf engagiert hat, sondern auch politisch, die das Gespräch gesucht hat, bis zum Letzten. Oder Shmi Skywalker Lars. Ja, ihr Leben beherbergt weniger Special Effects, aber hallo – sie ist buchstäblich die Mutter des gefallenen Messias innerhalb des Star-Wars-Mythos.

Nur, es ist halt so: Kriegsfilme handeln in den allermeisten Fällen von denen, die an der Front sind. Ich verstehe das ja auch. Aber das heißt ja nicht, dass ich es mir nicht anders wünschen darf.

(Siehe auch: Das Buch, das mir zum Thema Krieg mit am meisten in Erinnerung geblieben ist – „Die Katrin wird Soldat“.)

Nun ja, verbuchen wir das unter „erster Trailer“ und unter „Letztendlich war „The Force Awakens“ ja auch super“, und schauen wir mal. Immerhin: Mon Mothma. Was hab ich innerlich gejubelt.

Hoffentlich drückt ihr niemand ein Lichtschwert in die Hand.

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