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Wir waren heute im Kino, „Zoomania“ gucken. Über die grandiose Idee, einen Film, der im englischen Original „Zootopia“ heißt, auf Deutsch „Zoomania“ zu nennen, mag ich mich kaum auslassen, das hat ähnliche Dimensionen wie die „Shit“-Übersetzung der „Fuck“-Aufschreie damals in „Four Weddings and a Funeral“.

Den Film selber (also „Zoomania“) fand ich übrigens auch für Erwachsene sehr unterhaltsam – der Sohn hat sich bei manchen Szenen etwas sehr gegruselt, ich würde altersgrenzentechnisch deswegen eher Schulkindalter empfehlen. Aber für sowas bin ich ja mit im Kino, ich nehme ihn dann in den Arm und flüstere ihm zu, dass bestimmt alles gut ausgeht. Tat es auch – und nun ja, mir war schon bei ihrem ersten Auftritt klar, welche Figur die Strippen hinter den bösewichtigen Ereignissen zieht, aber darum geht es ja bei auf Kinder ausgerichteten Filmen nicht wirklich. Mir hat logischerweise auch sehr viel von den Hintergedanken des Filmes gefallen – die Art, wie verschiedene -ismen thematisiert und mehrheitlich kindgerecht runtergebrochen werden. Etwas ärgerlich waren für mich ganz persönlich allerdings drei Aspekte:

1. Mit Judy besitzt der Film zwar eine weibliche Hauptfigur, ansonsten sind die meisten Rollen aber männlich besetzt. Immerhin, Judy ist keine traumatisierte Heldin, sondern erlebte eine behütete Kindheit. Und beide Eltern leben noch, hurra hurra! (Hallo Bambi, Lion King, Finding Nemo usw.)

2. Gazelle ist zwar eine weitere weibliche Figur, aber doch sehr klischiert, und ihr Engagement für mehr Toleranz bleibt angesichts ihrer sonstigen Objektifizierung irgendwie blass. Und obwohl die Figur auf Shakiras expliziten Wunsch „kurviger“ dargestellt wurde, entspricht sie natürlich dennoch dem gängigen Schönheitsideal und der Theorie, dass „kurvig“ vor allem bedeutet, mehr Hüfte und Hinterteil zu haben. Siehe auch all the plus size models everywhere, es lebe die Birnenform, vergesst die Apfelfrauen.

3. Clawhauser. In einem Film, in dem Toleranz und Gleichwertigkeit gepredigt werden, darf sich der dicke Gepard zwar über sich selbst als wandelndes Klischee lustig machen, aber genau dieses Klischee des verfressenen, gutmütigen und fröhlichen Dicken wird im Gegensatz zu den anderen Stereotypen kaum untergraben. Abgrundtiefer Seufzer. Irgendwann mal eine dicke Figur im Kino sehen dürfen, deren Fülle nicht thematisiert wird. Könnte mal einen Versuch wert sein, nicht wahr? Try everything und so.

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