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Irgendwie passend, dass der heutige Eintrag die Euronotrufnummer trägt. Hallo, Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr, anybody, ich möchte bitte 2016 streichen lassen, wissen Sie, wie das am schnellsten geht? Oder haben Sie wenigstens Informationen, wie ich diverse Künstler_innen mit Luftpolsterfolie und Rund-um-die-Uhr-Bewachung ausstatten kann bis Ende Jahr?

Ha ha ha. Fucking Ha.

Prince. Nicht auch noch Prince.

Durch Twitter habe ich rausgekriegt, dass es wohl 1993 gewesen sein muss, im Hardturmstadion. Komisch, ich hätte schwören können, es sei das Joggeli in Basel gewesen. Die eigene Erinnerung ist ein funky thing. Apropos: Damit fing das Konzert an, und mit einer Tanzeinlage von jemandem, von dem wir dachten, es sei Prince, mit seinem Perlenvorhanghut maskiert. War dann aber Mayte Garcia. Sagt zumindest meine Erinnerung.

Das Konzert ist auch nach 23 Jahren noch Teil meiner Top-3-Liveerfahrungsliste, und zwar ununterbrochen seitdem. Die anderen zwei? Nun, die Nummer Eins gehört The Ark als Gesamtlivekunstwerk, Platz drei oder zwei, je nachdem, wechselt immer wieder mal. Aber Prince, damals, auch wenn das Wo und Wann und auch große Teile der Show irgendwie verschwommen sind, Prince bleibt. Das Gefühl bleibt.

Und das Gefühl ist… hm. Wie soll ich das beschreiben. Sinnlichkeit und Sexy auf einer quasi spirituellen Ebene? Irgendwie sowas. Ich meine ja nur: Prince bei den Muppets. Alles ganz harmlos, richtig? Und dann dieser Augenaufschlag.

… aaaaand I’m out.

Das ist nicht etwas Unterleibgetriebenes, das ist ganzkörperlich, astralkörperlich, Gott, wie beschissen bescheuert das klingt. Damals im Hardturm gab es einen Moment, als Prince diesen Augenaufschlag brachte, dieses Grinsen und dann sein goldenes Pistolenmikrofon ableckte.

Kollektiver Massenorgasmus.

Aber genug davon – entweder ihr versteht, was ich meine oder nicht, Prince war auf einer sinnlichen Ebene ein Wesen, das nicht innerhalb irgendwelcher binären Grenzen definier- und greifbar war.

I’m not a woman
I’m not a man
I am something that you’ll never understand

Und ja, Prince als Mensch, wieder eine ganz andere Angelegenheit, homofeindliche Äußerungen und alles, ich weiß, ich weiß. Und wieder die Frage, inwiefern wir zwischen Kunst und Mensch unterscheiden sollten, aber Verzeihung, ich kann das jetzt nicht. Hier gibt es mehr dazu.

Komplett oberflächlicher Einschub: Seine Looks.

Rückblende, Teenie der 80er, wir hatten noch Slowrunden in den Discos damals (sofern wir uns denn in die Discos schmuggeln konnten, ohne erwischt zu werden), und „Purple Rain“ war so herrlich lang, nicht wahr. Mich hat kaum jemals jemand zum Tanzen aufgefordert, ich lungerte an diverse Wände der Welt angelehnt rum und versuchte, so zu tun, als machte mir das nichts aus. Tat es natürlich trotzdem, aber hey, dann wieder Prince, der sang:

You don’t have to be beautiful
To turn me on

Und das bedeutete mir überraschend viel.

Ich besitze kaum Prince-Aufnahmen. Vermutlich hatte ich irgendetwas irgendwo auf Kassette. Ich weiß aber noch, dass ich mir im UK-Interrail-Urlaub die „Peach“-Single kaufte (und beim Jack-Daniels-Saufgelage im Hotel draufkotzte. Ähem.). Und Prince selbst boykottierte YouTube und andere Videokanäle offensichtlich, also kann ich hier schlecht mit Erinnerungsvideos zu Lieblingssongs arbeiten. Nun denn, das hier wird jetzt überall geteilt, also sei’s drum:

Und aus „Let’s Go Crazy“ wird der Anfang mit „Dearly Beloved, we are gathered here today 2 get through this thing called life“ viel zitiert, aber nur etwas weiter im Text kommt die Stelle, die mir viel mehr in Erinnerung bleibt:

… forever and that’s a mighty long time

Forever is a mighty long time. Fact. Und jetzt kommt gerade der „Wooo hooo hooo hooo“-Teil von „Purple Rain“ im Super-Bowl-Video und da geht sie hin, meine Fassung.

Bowie war übel. Über Rickman kann ich immer noch nicht schreiben. Und jetzt Prince.

Ich weiß, das ist dieses Älterwerden, wenn einem die Held_innen wegsterben.

Ich möchte das nicht. Mit meiner eigenen Endlichkeit komme ich klar, aber die der Begleitenden… Nee.

tl; dr: Ach, blablabla, whatever, das ist doch einfach scheiße, ey. Kommt, wir erfreuen uns an der Tatsache, dass es Menschen gab und gibt, die aus einer monotonen, ständig wiederholten Mini-Melodie einen Klassiker bauen können. Und lachen über den Vokuhila-Haarspray-Dude, der gegen Ende des Songs so tut, als wäre er es, der singt, und nicht Prince.

Ha ha ha. Fucking Ha.

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