122

Heute waren wir mit dem Sohn zum ersten Mal im „richtigen“ Theater. Zugegeben, es war irgendwo in der oberen Etage durch den Hinterhof eines Industrie-/Bürogebäudes, das Stück dauerte nur 50 Minuten und die Inszenierung war mit viel Herzblut, aber wenig Finanzen ausgestattet, aber dennoch: Echte Menschen, nicht nur Puppen.

Gegeben wurde eine Adaption des ersten Sams-Buches, sicher keine schlechte Wahl, da er die Geschichte in- und auswendig kennt und der Sams-Film auch der erste nicht-animierte Film war, den er gesehen hat. Entsprechend groß waren dann auch Gelächter und Begeisterung, bis hin zum Schluckauf, den dann aber wir wiederum überhaupt nicht lustig finden durften, weil ERNSTE ANGELEGENHEIT.

Ich bin froh und dankbar darüber, dass seine erste Theatererfahrung eine positive war, immerhin hat der Mann ja lange hier in der Gegend bei der Theater-AG mitgemacht, wenn auch mehr so hinter den Kulissen. Dass ich eine gewisse Neigung zum Rampensau-Dasein in mir trage, muss ich vermutlich nicht extra erwähnen – es sei aber darauf hingewiesen, dass ich ein abgeschlossenes Theaterwissenschaftsstudium vorweisen kann, wenn auch lediglich im Nebenfach und als Teil meiner Ausbildung in Australien. So wahnsinnig viel her macht das also nicht. Andererseits, ich hatte mich ja sogar mal an der Schauspielschule in Zürich beworben, war allerdings fürchterlich schlecht vorbereitet und verspürte in dem Moment, in dem ich das Gebäude betrat, bereits die Gewissheit: Hier möchte ich nicht sein. Entsprechend fürchterlich war auch meine Darbietung, und die Jury tat mir fast schon leid, weil sie sich so Mühe gab, mir die schlechte Nachricht meines Nichtweiterkommens so schonend wie möglich mitzuteilen. Während ich nur dachte: „Jo, schon gut, alles gegenseitig, kein Ding!“.

Andererseits: So ein bisschen Amateurtheater wäre auch mal wieder ganz nett. Das findet hier allerdings quasi ausschließlich in Alemannisch statt, und während mein Hochdeutsch fast täuschend echt ist – äch kckann abrrr auch mit Schwäitzer Ackzänt schprächen, wenn es säin muss – , kann ich den hiesigen Dialekt schlichtweg nicht im Geringsten glaubwürdig imitieren. Möchte ich auch nicht, ich krieg ja auch bei jedem deutsch akzentuierten „Grützi!“ Pickel. Es wird also beim Wunschtraum bleiben. Außer natürlich es ergibt sich irgendwann irgendwo was.

So langsam bin ich ja auch im richtigen Lebensabschnitt für die komische Alte.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.