Zum Thema Schulbeginn

Der Sohn geht seit fast drei Wochen in die Schule. Früh aufstehen? Kein Problem. Schulbusfahren? Kein Problem. Interesse an den Fächern? Kein Problem. Hausaufgaben? Nun ja.

Sagen wir es mal so, es gibt solche und solche Tage. Also solche:

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Und solche:

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Und wenn ich ehrlich bin, ich bin mir keiner wirklich heftigen Unterschiede bewusst, was mein Verhalten angeht. Klar, ich hab auch schlechte Tage, aber die decken sich jetzt nicht komplett mit denen des Sohnes. Meiner sehr geringen bisherigen Erfahrung nach klappt es mit den Hausaufgaben besser, wenn er sie gleich nach dem Heimkommen macht, gerne auch am Esstisch, während ich koche. Oder dann halt zu Beginn des freien Nachmittags an seinem Schreibtisch, während ich z.B. Wäsche aufhänge oder mich sonstwie beschäftige – d.h. ich bin auf Abruf da, um zu helfen, geistere aber nicht ständig hinter ihm rum und glotze ihm über die Schulter.

Er teilt diese Meinung manchmal, aber nicht immer. Es gibt Tage, da ist er beleidigt und denkt, ich will ihm nicht helfen, wenn ich nicht dauernd in seiner Nähe bin. Es gibt Tage, da macht er ohne weiteres Zureden sofort alles fertig. Und es gibt die Hulksmashtage. Blut, Schweiß, Tränen. Also meinerseits. Und innerlich natürlich immer das Mantra „Phasephasephasephasephasephasephaseeee“…

Dass der Sohn es nicht so mit der Feinmotorik hat, ist uns schon länger bekannt, nur ist Üben da auch eher schwer erzwingbar, ne? Also drucke ich ihm Schwungübungen aus und lege Zettel und Blöcke mit entsprechenden Vorlagen auf seinen Schreibtisch und weise ihn darauf hin, dass er damit ja üben kann. Und dass wir alle üben müssen, wenn wir etwas gut können wollen. Und bla blubb fussel fussel Mund wund. Wobei, neulich hat er vor lauter Wut auf uns stapelweise Schwungübungen gemacht und sie uns anschließend stolz präsentiert. Falls es so etwas wie perplexe Erleichterung gibt – wir waren in dem Moment die perfekten Beispiele dafür.

Immerhin, beim Schreiben hilft es ihm relativ konstant, wenn ich ihm jeweils zu jedem Buchstaben erkläre, was die Spinne dabei macht. Die Spinne ist eine Verzweiflungserfindung meinerseits, die bei einem Blutschweißtränenhulksmashnachmittag vorletzte Woche entstand, als er das u schreiben sollte. Bei meiner Erklärung sitzt die Spinne zwecks Skateboarden auf dem Badewannenrand, rollt einmal vom einen zum anderen Rand und fällt dann runter. Ich musste sie ihm noch zeichnen, aber dann hatte er den Buchstaben raus. Beim i geht die Spinne auf einer Brücke Bungeejumpen, klettert dann hinten am Brückenpfeiler wieder hoch und macht als i-Punkt noch einen Freudensprung. Beim m hüpft sie einmal quer durch die Hüpfburg. Weiter sind sie in der Schule noch nicht.

Ja, es ist eine Extremsport-Spinne, irgendwie. Aber es scheint zu funktionieren. Nur, was ich leider hätte kommen sehen müssen als erfolglose Buchautorin: Der Sohn wünscht sich jetzt ein ABC-Buch mit der Spinne.

Ich hab dann wohl auch Hausaufgaben gekriegt.

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(Ach ja, am Rande sei noch erwähnt, dass es scheinbar den meisten Eltern so geht, dass die Hausaufgaben anfangs irgendwie… schwierig zu Vermitteln sind. Hab ich dem Mann heute beim Frühstück erzählt. Der Sohn dazu: „WOOOHOOO!!! ALLE KINDER GEGEN ALLE ELTERN!!!“ Und da frag mich noch einer, warum ich Grönemeyers „Kinder an die Macht“ schon immer für eine Dystopie hielt…)

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2 Gedanken zu “Zum Thema Schulbeginn

  1. Wenn ich als Lehrerin jetzt sage, dass ich Hausaufgaben auch total kacke finde, bin ich wohl unten durch, was? Verstärken soziale Unterschiede, in der Ganztagsschule rauben sie das letzte bisschen Freizeit und eigenständiges Leben, haben nur einen geringen Übungseffekt….. Schön auch mal die andere Seite zu sehen und schön, dass du wieder schreibst.
    Liebe Grüße,
    Jule*

    • Danke! Ich finde es derzeit vor allem faszinierend zu beobachten, welche Aspekte beim Sohn „wirken“ und welche nicht. Schwungübungen zum Beispiel sehen immer noch sehr schief und lustlos aus, wenn er aber tatsächlich Buchstaben schreibt, klappt es einiges besser. Es scheint also für ihn einfacher zu sein, einem zielgerichteten Zweck zu folgen, als quasi um des Übens willen zu üben. Aber: Ja, tendenziell fände ich es auch angenehmer und wünschenswerter, wenn die Kinder die Schule hinter sich lassen könnten, sobald die Schulglocke klingelt – das ewige Mitschleppen der zu erledigenden Aufgaben ins Privatleben kommt noch früh genug…

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