Ceci n’est pas un Wanderweg

Okay, okay – falscher Künstler. Den „24 Stops“-Weg hat nicht René Magritte erstellt, sondern Tobias Rehberger. Daher auch der Zweitname „Rehberger-Weg“. Obwohl er eigentlich durch die Rebberge führt, hahaha… okay, ich hör schon auf.

Es ist ja so: Ich hab zwischendurch so intellektuelle Anwandlungen und denke mir: „Ich will nicht, dass das Kind zwischen Disney Channel und Ninjago-Onlinespiel komplett verroht, argh!“. Und dann werde ich aktionistisch und schlage Hochkultur vor. Nun, so wahnsinnig hochkulturell war der Rehberger-Weg jetzt nicht, und der Sohn war auch nicht extrem begeistert, aber für einen Sonntagsausflug war das schon ganz brauchbar. So richtiges Wandern sieht anders aus, das war mehr so Spazieren, begleitet von zig anderen Herbstsausflügelnden mit und ohne Fahrräder. Fürs Kind hat es dennoch mehr als gereicht, denn das Problem mit diesen „Wandern für Kinder mit Einzelstationen“-Wegen ist ja gerne mal, dass die Abstände zwischen den einzelnen Attraktionen nicht gleichbleibend sind. Und so eine längere Distanz zwischen zwei Kunstwerken können sich für einen Sechsjährigen, dem in der Herbstsonne warm geworden ist, schon ganz schön hinziehen. Kurz zusammengefasst: „ICH WILL RASTEN! WO IST DIE NÄCHSTE BANK!?!?!“.

Die Fernwanderwege nehmen wir dann also eher später in Angriff.

Wir hatten zwar neben der Wanderkarte auch die App zu „24 Stops“ dabei, hatten aber nicht den Eindruck, dass Letztere ein absolutes Muss ist. Das GPS hatte erst so seine Probleme, unsere Standorte zu finden (kann aber gut an meinem Handy liegen), und die einzelnen Videos oder Soundelemente waren für den Sohn nicht sonderlich spannend. Nun ja, ein sowieso bereits etwas missgelauntes Kind dazu zu bringen, eine Minute still in den Himmel zu starren, ist auch eher eine undankbare Aufgabe. Auch die einzelnen Installationen, größtenteils aus buntem Metall, waren nicht ganz so interaktiv, wie ich mir das erhofft hatte – ist eben Kunst und kein Vitaparcours. Die Strecke selbst ist aber sehr schön und für Kinder gut zu schaffen, und für Leute mit Kinderwagen, denen ordentliches Hochschieben nichts ausmacht, vermutlich auch machbar. Wir haben uns für die Variante entschieden, von der Fondation Beyeler aus zum Vitra Campus zu laufen, man kann die Strecke aber auch in umgekehrter Richtung in Angriff nehmen. Da es eine ganze Weile durch die Weinberge geht, muss man halt wählen, ob man sich eine heftige Steigung gleich zu Anfang zumuten will (das wäre dann Vitra Campus -> Fondation Beyeler), oder ob man lieber immer wieder ein bisschen Steigung bevorzugt (Fondation Beyeler -> Vitra Campus).

Angereist sind wir mit dem Auto bis zum Badischen Bahnhof, dann mit der Straßenbahn zur Fondation Beyeler in Riehen. Die Wanderkarte gibt es dort gratis an der Museumskasse, ich vermute mal, auf dem Vitra Campus (bzw. beim Vitra Design Museum) ist es ebenso. Vom Vitra Campus fährt ein Bus zurück zum Badischen Bahnhof, aber Vorsicht, der fährt sonntags nur stündlich, wir haben ihn gerade noch knapp erwischt, weswegen ich auch kein Foto der letzten Station für die Festplatte habe. Macht aber nichts, ist quasi dieselbe Glocke wie an der Fondation Beyeler, nur in anderen Farben.

Zusammengefasst: Kann man mal machen. Und ja, es gibt genug Bänke zum Rasten…

(Die App hab ich übrigens mittlerweile wieder gelöscht. Nicht weil ich sie so extrem unbrauchbar fand, aber sie nimmt mir rund 500 Megabyte Speicher im Handy weg, und die brauch ich selber, danke sehr.)

Hier noch ein – natürlich nicht wirklich kurzer, wo kämen wir denn da hin – fotografischer Überblick:

Erstens mal Karte lesen. Karte nicht wirklich verstehen, aber zumindest hat man mal geguckt, ne.

Kartenlesen

Lauter Vogelkäfige, aus denen die Vögel ausgebrochen sind. Zum Teil mitten durch die Wand, zum Teil durch Verbiegen der Gitterstäbe. Ein sehr schönes Symbolbild.

Vogelkäfige

Wenn der Vater mit dem Sohne wandern geht… mach ich aus Prinzip ein Foto von hinten.

Vater und Sohn

„WANN VESCHPERN WIR? WANN VESCHPERN WIR WIEDER?!?“

Vespern

Dies war eines von mehreren Bienenhäusern, die zum Weg gehören. Wir waren dann doch froh, als wir sie entdeckten, denn der vorherige Stop schien abhanden gekommen zu sein. Unsere Vermutung: Er war irgendwie kaputt und hatte dort gestanden, wo der Sohn brüllte: „ICH SEH EIN VERKEHRSHÜTCHEN! IN EINEM LOCH!“

Art brut, sozusagen.

Bienenhaus

Und dann ging’s über die Grenze, zum Glück. „WANN SIND WIR IN DEUTSCHLAND?!?!“

Zoll

Dies hier ist eine Kuckucksuhr, aus der sich stündlich ein rotes Dings schiebt und „Kuckuck!“ macht. Leider konnten wir dieses Spektakel nur von Weitem sehen. Der Sohn und ich stellten uns dann neben die Uhr, streckten die Zunge raus und machten „Kuckuck!“, so als dramatisches Reenactment, quasi.

Kuckucksuhr

Manchmal muss man aber auch zu schätzen wissen, was abseits des eigentlichen Kunstwegs so als natürlich gewachsene Kunst rumsteht. Finde ich.

Straßenlaterne

Ja, auch der Trinkbrunnen war eine Installation. Ich habe dem Sohn gleich mal gezeigt, wie das richtig funktioniert, ohne dass man nasse Schuhe kriegt. Nur eine minimst nasse Hose. Äh.

Trinkbrunnen

Danach führte der Weg fast bis zum Schluss durch die Weinberge, und ich geriet massiv in Versuchung, Rebraubbau zu betreiben. Blieb aber brav und machte nur Fotos. Grummel.

Blaue Trauben

Der Ausblick war natürlich entsprechend schön, so mit imposantem Roche-Turm und so. Wobei ich mich ja mittlerweile frage, ob in Basel eigentlich auch nur ein Gartenhäuschen aufgebaut werden darf, ohne dass Herzog & de Meuron beteiligt sind…

Blick auf Basel

Ich hatte ja eigentlich die Hoffnung gehabt, dass dem Sohn das Fernrohr zusagen würde. Tat es in der Theorie auch, in der Praxis stelle sich dann aber heraus, dass er mehr nur so Himmel sah, wenn er es zu sich runterzog, und Papa durfte nicht helfen. Tja.

Fernrohr

Noch mehr Trauben, noch mehr Versuchung, aber ich bin ja anständig, und außerdem sind sie schlecht für den Blutzucker und es waren so viele andere Spazierende da.

Weiße Trauben

Völlig überraschenderweise war das Rebhäuschen zugeschlossen. Hatte ich dem Kind auch prophezeit, als es auf die Tür zuging. Aber eben, es gilt auch hier: Wir möchten selber einen Hund haben und selber von ihm gebissen werden. (Obskure Referenz, ich weiß, ich weiß)

Rebhäuschen

Für die eine Station verlangte die App, dass wir einen Baum umarmen sollen. Der Mann hat geschummelt, ich hingegen habe mich voll ins Zeug gelegt. Ich hab ja schon Bäume umarmt, da trug der Mann noch Windeln, ich kann das.

Baumumarmen

Zwischenzeitlich muss ich bei Ausflügen in die Natur ja immer auch Pflanzen fotografieren. Die halten still. Diesmal sogar mit Tier. Wohnt aber vermutlich nicht in einem der vorher gezeigten Bienenhäuser.

Emsige Biene

Und dann so: „Ach, das ist die eigentliche Station mit dem Baum und dem Umarmen… Sohn, möchtest du den Baum auch noch umarmen?“ – „NÖ!!!“

Baumskulptur

Kurz vor dem Vitra Campus läuft man noch den Verner-Panton-Weg entlang. Ich geb’s ja zu: Diese bunten Stelen gehörten zwar nicht zu „24 Stops“, gefielen mir aber mit am besten. Ich bin halt ein wandelndes Regenbogeneinhornglitzerklischee, was soll ich tun…

Verner-Panton-Weg

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