Dinge von denen – Zeit verschenken?

Blaaaa blablabla blaaabla blaaaargh. Alle Jahre wieder wird darüber sinniert, wie ungleich wertvoller und wichtiger es doch ist, den Menschen die man mag, gemeinsame Zeit zu schenken statt immer nur Sachen, Sachen, Sachen. Ich kann es nicht mehr hören.

Jaja, ich weiß, da behaupte ich, ich sei der Anti-Grinch, und dann sowas. Aber es ist nun mal so: So oft gehen diese ganzen „Zeit verschenken“-Konzepte damit Hand in Hand, irgendwelche Schuldgefühle verursachen zu wollen. Bestes Beispiel sind da viele Weihnachtswerbespots, in denen uns wieder und wieder vermittelt wird, dass Weihnachten gefälligst das Fest der Familie zu sein hat, und hopp los, ruf die Omma an, besuch den Oppa, ab mit dir, du schlechter Mensch.

Fuck that. Es gibt so viele Leute da draußen, für die Familienfeiern und -besuche die Hölle sind, weil die Familie sich weigert, sie so zu akzeptieren, wie sie sind. Weil so oft Mikroaggressionen und seelisch grausame Sticheleien unter „liebevolles Necken unterm Tannenbaum“ laufen. Weil uns immer noch mit dem Vorschlaghammer eingetrichtert wird, dass wir die Alten zu ehren haben, egal wie ihre Vergangenheit aussieht, egal wie uneinsichtig und rücksichtslos sie sich in der Gegenwart verhalten, denn in der Zukunft, in der Zuuuukuuuunft sind sie vielleicht nicht mehr da! Ja. Isso. Und nein, das ist nicht schön. Aber es sollte doch wohl jede einzelne Person selbst entscheiden dürfen, mit wem sie das „Fest der Liebe“ verbringen mag. Und das sind nun mal nicht immer diejenigen, mit denen sie durch Verwandtschaft verbunden ist.

Und zweitens. Zweitens ist zumindest meine Zeit kein wertvoll gehütetes Gut, das ich gnädig an diejenigen aushändige, die sich dieser Auszeichnung als würdig erweisen. Und erst recht nicht nur zu Weihnachten als Gutschein für irgendwann. Versteht mich nicht falsch, ich hab hier in der Geschenkeschublade tatsächlich auch so ein Gutscheinheft für Schlittenfahrten und sowas rumliegen, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wann ich das wem schenken sollte. Denn ich möchte nicht, dass die Leute, die mit mir Zeit verbringen wollen, mit einem Wisch wedeln müssen. Und ich möchte nicht, dass besondere Augenblicke schriftlich geplant werden müssen. Und erst recht möchte ich nicht, dass jemand Zeit mit mir einfordern kann (das Kind darf das, weil: logisch). „Hier, du musst jetzt, das steht da!“ – urghs. Ich will mit meiner Zeit freigiebig und spontan um mich werfen, ich will einfach mal alles über den Haufen schmeißen und sagen „Komm, das machen wir jetzt!“, ich will Freizeit und nicht Planzeit. Und das nicht nur zu Weihnachten auf dem Gabentisch. Und ich finde es ganz fürchterlich schlimm, dass wir es mittlerweile als wertvolles Privileg betrachten, Zeit miteinander zu verbringen. Verschwenden sollten wir sie, als hätten wir eine Ewigkeit davon.

Ja, hab ich sicher alles nur falsch verstanden. Ja, das System hat zu dieser Situation geführt. Ja, wir haben eh oft schon zu viel Zeug. Aber Zeit sollte ein frei vergebenes Alltagsgut sein, keine Belohnung und nicht nur an Feiertagen auszuhändigen. Finde ich.

Falls ihr hingegen Zeit verschenken wollt: Hier so.

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