Dinge von denen – Nervnerv

Ooookay. Ich hab mich zwar gerade bei Twitter über einen mansplainenden Schlechtmenschen, pardon, aufrechtdeutschen Alleswasnichtwieerselberistkritiker kurz geärgert, aber reden wir doch mal über Ärger im Adventskontext. Ich möchte hier nämlich mal mit einer Annahme aufräumen, die mir immer wieder begegnet, und die zumindest für mich so nicht stimmt:

Es ist nicht der Advent, der für Stress sorgt. Es ist alles andere.

Ich meine, ganz ehrlich: Wenn wir einfach mal einen Monat alles liegenlassen würden, was sich nicht darum dreht, sich auf das Eigentliche zu besinnen – die ganze Angelegenheit wäre viel stressfreier. Aber wir müssen das halt alles zusätzlich zum normalen Alltag erledigen, und selbst der ist belastender als sonst. Im letzten Monat des Jahres muss auf Arbeit Liegengelassenes erledigt werden, hier ne Betriebsfeier, auf die man keine Lust hat, da eine Runde Über-den-Weihnachtsmarkt-gescheucht-werden, prost Glühwein, dazu oftmals noch die Frage „Wie finanziere ich das alles?“, und natürlich auch das gute alte Thema „Bei wem feiern wir was, und was gilt es dort an Familienkram zu ertragen?“. Ich meine, bei mir ist der Familienkram nicht wirklich heftig, die Finanzfrage stellt sich auch nicht so extrem wie bei anderen Leuten, und ich hab ja nicht mal einen bezahlten Job, von dem her: Privilegiert, klar. Aber trotzdem, ich nehme mir jedes Jahr vor, dass ich mich wirklich mal im wahrsten Sinne des Wortes besinne, mich also mal zurücklehne, durchatme und gucke. Tja. Realistisch sieht es so aus: Am 2. Dezember hat der Mann Geburtstag, am 16. Dezember das Kind. Ersterer will zwar eher nicht gefeiert werden, Letzteres aber umso mehr. Und Kuchen muss natürlich in beiden Fällen sein, fürs Kind auch noch was für die Schule. Und Essen für die Geburtstagsparty. Und Essen für die Feier mit der Familie. Und Spiele für die Geburtstagsparty. Und weil wir dieses Jahr auswärts feiern, blieb irgendwie auch noch die Logistik des Kindergästetransports zum Teil an mir hängen, was mich dann heute kurzfristig komplett überforderte. Immerhin, der Mann hat mich gerettet, indem er rumorganisiert hat. Aber uff. So viel Gefeiere, so wenig Hirn.

Wobei, nee, stimmt so ja auch nicht. Hirn wäre da. Es wird nur ständig für anderes Zeug als meine eigentlichen Kernkompetenzen und -aufgaben abgezweigt. Und zwar so:

Was mich am Advent stresst, sind die offenen Themen. Fehlende Geschenke, die nicht ich beisteuere, die aber trotzdem irgendwie mit mir zusammenhängen. Warten auf Zu- oder Absagen, was Termine angeht. Spontane Planänderungen, die alles umwerfen, was in meinem Kopf bereits sortiert war. Ja, klar: Kontrollfreak. Einfach mal delegieren, vertrauen oder gegen die Wand fahren lassen. Muahahahaaah yeah right. Ich werf mich doch immer in letzter Sekunde zwischen die Wand und was auch immer gerade angebraust kommt. Superpraktisch, ne.

Aber wie gesagt, auch das wäre irgendwie zu machen, wenn ich dafür den Alltag sausen lassen könnte. Da ist gerade noch Wäsche in der Waschmaschine, die aufgehängt werden müsste. Das Kind zu den Hausaufgaben antreiben und jeden Tag scheitern, weil „die mach ich, wenn der Papa da ist“. Das Schulbibliotheksbuch, das eine Woche überfällig ist und über das ich mit dem Kind jeden Tag eindringlicher rede. Mit Zetteln und anderen Erinnerungen. Putzen müsste ich auch mal wieder. Mein Blutzucker spinnt rum, wenn ich nicht pro Tag mindestens 10’000 Schritte gehe, das dauert aber anderthalb Stunden, die stehen mir nicht immer zur Verfügung. Der neue Busfahrplan, der bedingt, dass ich jetzt wieder jeden Tag das Kind schulfertig mache und nicht mehr dreimal pro Woche der Mann, bringt mal wieder Schlafstörungen mit sich. Und meine Eisenwerte sind zwar nicht mehr komplett am Arsch, aber immer noch ziemlich am Steißbein. Andere Gesundheitsthemen natürlich auch, sowieso immer.

Der Alltag, ey. Könnte den mal wer für mich übernehmen? Ich übernehm dafür für euch den Advent. Also, außer die Glühweintrinkerei. Pfui bäh.

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