Schniefhustkeuchkrächz – wenn Mama krank ist

Orr, echt ey. Kaum winkt der Herbst aus der Ferne, schließen sich meine Gesichtshöhlen und treten in Streik. Atmen? Hamwaschon, brauchmanet. Und so röchle ich mich denn durch den Tag und möchte wissen: Wie macht ihr anderen Mütter und Väter das eigentlich, wenn ihr krank seid? Weiterlesen

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Wie wir Satanisten wurden

Wir hier sind ja quasi eine kleine familiäre religiöse Enklave. Denn wir sind nicht katholisch, im Gegensatz zur großen Mehrheit der Einwohner der hiesigen Gegend. Ich habe noch das zusätzliche Problem, reformiert zu sein, d.h. für mich war anfangs auch der evangelische Gottesdienst in Deutschland leicht überfordernd. Was hier alles an Interaktivität verlangt wird! In den Kirchgemeinden, die ich aus der Schweiz kenne, muss man höchstens ab und zu mal “Amen” wispern und beim Vaterunser mitreden. Aber hierzulande? Sagen wir es mal so: Ich geb in deutschen Kirchen sehr viel “Brummlibrummlirhabarberrhabarber” von mir. Dafür sing ich gerne mal lauthals bei Kirchenliedern mit, ob dies Gott klanglich nun zur Freude gereicht oder nicht.

Ich bin eh dank a) Kind und b) SingStar diesbezüglich recht hemmungslos geworden, denn merke: Dem Kind ist es egal, ob du objektiv schön singst oder nicht. Hauptsache du singst. (Dies übrigens auch als wichtigster Ratschlag meinerseits an alle Mütter da draußen: Dem Kind ist es ebenso egal, ob du objektiv schön bist oder nicht. Hauptsache du bist.) Und SingStar bewertet zwar den Gesang, aber nicht die Performance – und bitte sehr, wer kann bei “We are the champions” ruhig sitzen bleiben, wenn er bzw. sie nicht gerade ein gebrochenes Bein hat? Eben. Dies auch zur endgültigen Klärung der Frage, von wem der Sohnemann die Rampensau-Eigenschaften hat. Unüberraschenderweise.

Aber zurück zur Gretchenfrage: Wir haben es hier zwar durchaus mit der Religion, aber nicht so mit dem Dogma. Ich finde ja, die allgemeine Ansage, dass man seinen Nächsten so sehr lieben soll wie sich selbst, ist die wichtigste und gleichzeitig schwierigste Übung, die man ausüben sollte. Weil’s – zumindest bei mir – jahrelang am Sich selber lieben schon gescheitert ist. Work in progress. Sowieso immer.

Und nun hab ich also diesen Sohn, der mit seinen frischgebackenen drei Jahren natürlich auch schon interessiert ist an der ganzen Sache. So weiß er zum Beispiel, dass die Oma Barbara und der Freddie Mercury schon tot und im Himmel sind (JA, DER FREDDIE IST AUCH IM HIMMEL, VERDAMMT! WO SOLL ER SONST SEIN?!?). Und die Weihnachtsgeschichte hab ich ihm am Heiligabend auch vorgelesen, obwohl bei uns die himmlischen Heerscharen nicht “Ehre sei Gott in der Höhe” sprachen, sondern ihre Ansprache mit einem lauten “OOOOHHHH!!!” begannen, weil der Sohn gerade wieder etwas Entzückendes im weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer gesehen hatte und dies entsprechend kommunizieren musste.

Gott ist also ein Thema. Ein recht abstraktes, aber ein Thema. Allerdings mach ich mir langsam Sorgen, ob der Bub sich nicht vielleicht in eine andere, eher gegensätzliche Richtung entwickelt. Man betrachte folgenden Wortwechsel von neulich:

“Basti, die Mama muss jetzt unter die Dusche.” – “Weil?” – “Weil sie stinkt.” – “DU STINKST WIE GOTT!!!”

Ähem. Immerhin beantwortete er die Frage, wie Gott riecht, dann gleich mit “Gott riecht wie Mama!”, worauf ich natürlich gleich herzschmolz. Trotzdem kam er auch gestern wieder mit der Ansage: “Ich hab Dünnpfiff. Ich stink wie Gott.” Nun ja.

Aber heute dann. Heute kamen die Sternsinger. Auch eine Tradition, die mir so nicht bekannt ist. Die haben also hier geklingelt, worauf unser Wachhund Nibbler gleich mal mit dem Bellen anfing, das sehr viel größer klingt, als eine französische Bulldogge in Wirklichkeit ist. Wir erinnern uns, Nibbler definiert sich so: BullDOGGE. In DEUTSCHLAND. Also: DEUTSCHE DOGGE.

Ich also runter zur Tür, die Sternsinger schon leicht verschüchtert, der Sohn pirschte sich nur sehr langsam die Treppe herunter. Langsam und misstrauisch. Ich öffne die Tür, betrachte die drei kleinen Kopien von Melchior, Balthasar und Kasper, werfe einen Blick auf den Weihrauchschwenker, der qualmt, als ginge es um sein Leben, und kriege erst mal einen Hustenanfall. Ja, ich bin derzeit erkältet, aber das wissen die ja nicht, nicht wahr?

Die Sternsinger fangen unsicher an mit ihren Sprüchen und ihrem Liedchen. Ich werfe wieder einen Blick, diesmal auf den Sohn hinter mir.

Der steht in einer quasi physisch unmöglichen Körperverdrehung auf der Treppe, lugt mit bösem Blick durch die Zwischenräume und spuckt fauchend um sich.

Ich hab mir dann ernsthaft überlegt, den armen Kindern gleich den 50-Euroschein aus meiner Brieftasche zu kredenzen statt mir etwas Wechselgeld geben zu lassen. Nennen wir es Großzügigkeit, nicht Bestechung. Denn Sternsinger sind garantiert nicht an die theologische Schweigepflicht gebunden, und wir sind ja sowieso die Zugezogenen hier …

Wir lernen daraus: In der nächsten Zeit gibt es hier keine Erbsensuppe. Und, sofern das hier jemand aus der näheren Umgebung lesen sollte, solange hier keine umgedrehten Kreuze hängen, kann uns keiner irgendwelche satanistischen Tendenzen nachweisen. So!

(Und überhaupt, etwas Differenziertheit: Iä! Iä! Cthulhu Fhtagn!)

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