Gemischtwahnlädchen http://www.gemischtwahnlaedchen.de Leben im Üdilli Mon, 18 Aug 2014 12:02:22 +0000 de-DE hourly 1 Fleisch ist sein Gemüse. Nee, Fleisch ist sein Fleisch. http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/08/18/fleisch-ist-sein-gemuese-nee-fleisch-ist-sein-fleisch/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/08/18/fleisch-ist-sein-gemuese-nee-fleisch-ist-sein-fleisch/#comments Mon, 18 Aug 2014 12:02:22 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2351 Weiterlesen ]]> Der Sohn. Ein Fleischfresser vor dem Herrn. Wenn er bestimmen könnte, sähe sein Speiseplan so aus:

Fleisch
Wurst
Eier
Fleisch
Nudeln
Wurst
Brot
Fleisch
Joghurt
Wurst
Käse
Fleisch
Obst
Wurst

Und Süßkram und Chips, aber eher selten.

Was fehlt? Genau, Gemüse. Das ist natürlich nicht sonderlich erstaunlich – Kinder und Gemüse, das sorgt bekanntermaßen oftmals für Probleme. Wirklich gestresst bin ich deswegen nicht, ich wär halt nur froh, wenn ich die Fleischmassen etwas reduzieren könnte, denn ich versuche eigentlich, mich möglichst fleischlos zu ernähren. Und supergesund ist es ja auch nicht. Nur: Wie sag ich’s meinem Kinde?

bastikoch

Eigentlich interessiert er sich – siehe Bild – sehr für Kochen und Backen und sowas, und er schiebt auch gerne mal einen Stuhl aus dem Esszimmer in die Küche, um mir zuzugucken und zu helfen. Gestern zum Beispiel half er fleißig beim Supperühren und Gemüse in die Suppe werfen, und als er ein wenig kochendes Wasser auf die Finger kriegte, war das Gezeter zwar verständlicherweise groß. Aber nach ein paar Minuten mit der Hand im kalten Wasserstrahl war er wieder auf dem Stuhl und rührte weiter. Dann aß er auch begeistert einen halben Teller Suppe, bis ihm einfiel: Moment. Da ist ja Gemüse drin. Und dann wollte er natürlich auch den kleinsten Schnipsel Karotte entfernt haben. Er wollte nur noch die “Pfeffersinie” essen. Warum auch immer, immerhin ist Petersilie grün, und normalerweise ist “Grün” in Bezug auf Essen Grund zu ganz lautem “NAAAIIIN!!!”.

Zum Glück habe ich einen Pürierstab. Der ist mein guter Freund, denn wenn ich Gemüse in viel Wasser oder Brühe koche, das dann püriere und die Nudeln darin garkoche, wird Nudelsuppe gemampft, als gäbe es kein Morgen. Dito natürlich Tomatensauce, der Freund und Helfer aller kochenden Eltern (und der Verdienstsicherer der Waschmittelkonzerne – Tipp: Tomatensauceflecken bleichen in der Sonne ganz gut aus …).

Aber ich bin eigentlich kein großer Fan von Tricksen, ich sage Bastian lieber offen und ehrlich, wenn irgendwo Gemüse drin ist. Mit allen darauffolgenden Konsequenzen.

Heute war wieder so ein Fall. Ich hatte noch frischen Spinat übrig und dachte mir, den verarbeitest du jetzt zu einer Art Bratlingen, heiß und fettig geht ja immer. (Aber nicht zu heiß! “PUUUUSTEEEEN!!!”)

Nun ja, als ich die eingeweichten Couscouskügelchen, die Eier, den Parmesan, die Gewürze und den (natürlich pürierten …) Spinat zusammenmischte, stellte ich fest: Hm. Das ist grün. Das ist sehr grün. Und kaum dass ich mit dem Braten angefangen hatte, gesellte sich prompt der Sohn mit seinem Stuhl an den Herd: “Was ist das? Ist da Gemüse drin?!”
“Ääääh … das sind Oskars Lieblingsdrachenbällchen!”
Oskar ist der Kumpel vom Drachen Kokosnuss, und der wiederum ist eine der göttlichen Strafen für Eltern. Oskar ist mir immerhin deswegen sympathisch, weil er ein Fressdrache ist und trotzdem Vegetarier. Wie gesagt, ich mag Tricksen eigentlich nicht sonderlich, aber wenn man die Sache etwas aufhübscht vielleicht …?
“Woher weißt du das?”
“Äh, das hat mir der Oskar gesagt.”
Riesengroße Augen. “WAR DER HIER?!?”
“Nö, der, äh, hat mir eine Mail geschickt.” Puh, gerettet.
“Aber ich mag das nicht.”
“Aber dann ist der Oskar doch traurig, wo er mir doch extra das Rezept geschickt hat!” Uargh, noch mehr als Tricksen hasse ich solche erpresserischen Aussagen. Aber manchmal rutschen sie mir halt doch raus, ich gehöre zur Generation “Teller leer oder Regenwetter”, das prägt.
Bastian überlegt.

Und überlegt.

Dann grinst er plötzlich: “Wir schreiben dem Oskar einfach eine Mail, dass ich lieber Wurst esse!”

Schachmatt, Sohn. Schachmatt.

Jetzt kaut er genüßlich an seinem Schnitzelbrot.

(An seinem Quorn-Schnitzelbrot. Har har har.)

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Pause http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/08/12/pause/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/08/12/pause/#comments Tue, 12 Aug 2014 11:50:46 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2349 My brain hurts. So does my heart. Everything hurts and nothing is fine. Apparently, I am no fool.

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Nur eine kurze Frage … http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/07/28/nur-eine-kurze-frage/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/07/28/nur-eine-kurze-frage/#comments Mon, 28 Jul 2014 13:36:53 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2344 Weiterlesen ]]> … an die Eltern da draußen.

Stellt euch mal vor, ihr seid gerade in der Küche, Mittagessen kochen. Plötzlich huscht ein Kondensstreifen von einem Kind vorbei, ruft “HALLO! DU MERKST NIX!!!” und verschwindet Richtung Garten.

IHR MERKT AUCH WAS, NICHT WAHR?

(Es stellte sich dann heraus, dass der Herr Sohn mal wieder der Meinung war, er müsse Pflanzen, äh, gießen. Naturkind halt. Oder so.)

Offensichtlich ist Bastian also irgendwie auch Teilzeitpinguin. Der übelsten Sorte.

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Hello Kitty und anderes Getier http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/07/27/hello-kitty-und-anderes-getier/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/07/27/hello-kitty-und-anderes-getier/#comments Sun, 27 Jul 2014 14:56:42 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2340 Weiterlesen ]]> Das ist sicher schon uralt und das kennen alle schon, aber hey, ich bin auch uralt. Und ein paar Leute kennen mich. So there.

Hier gibt’s die gesamte Playlist, keine Sorge, es wird amüsanter. Find ich. Ich sag nur: “HEEEELP!”

Und ja, natürlich hab ich auch für die Hundefreunde was Vulgärsprachliches und Uraltes: Text From Dog.

Oder für Eichhörnchenfans.

Die Pinguinanbeter.

Und für mich ganz alleine: Calming Manatee.

Dies war ein Füllereintrag, präsentiert von meinem vorherigen Tweet:

burnout

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Ach ja, montags war doch was … http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/07/21/ach-ja-montags-war-doch-was/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/07/21/ach-ja-montags-war-doch-was/#comments Mon, 21 Jul 2014 15:29:49 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2336 Weiterlesen ]]> … da ich im Moment meine Gedanken recht schlecht organisieren kann (Carepakete! Schickt mir Carepakete! Am besten mit einem Hulkkostüm drin!), ist es irgendwie ganz praktisch, dass ich vor Urzeiten mal die Idee hatte, montags Links zu posten. Drum, man höre und staune, gibt es jetzt als untotes Lebenszeichen meinerseits mal wieder eine kleine WWW-Rundschau. Mit viel Wut im Bauch. Siehe auch: Hulkkostüm.

- Die stets anbetungswürdige Lesley Kinzel schreibt darüber, wie sie den Arzt ihres Vertrauens gefunden hat. Achtung: Taschentücher bereithalten. Mir zumindest ging es so.
Was mich betrifft: Mein Hausarzt und ich haben sowas wie eine stille Übereinkunft, dass das Thema Gewicht eher nebensächlich ist. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Bei meiner letzten Kontrolle fragte er mich einfach: “Gab es drastische Gewichtsveränderungen?”, ich meinte wahrheitsgemäß “Nee”, und damit war die Sache durch. So geht es auch, liebe Halbgötter in weiß. So geht es auch.

- Katrin beschreibt in ihrem Blog “Reizende Rundungen” die Anliegen der Fat-Acceptance-Bewegung empathisch, eloquent und absolut nachvollziehbar. Finde ich. Die Kommentare dann allerdings zum Teil so: “Ja, aber!” Nichts verstanden, setzen, sechs. Hulkseufzer.

- Und mit noch einem Hulkseufzer geht’s weiter: Alex wiederum schreibt auch über einen wichtigen Aspekt von Fat Acceptance: Plus Size Blogging. Nun kenn ich mich in der Plus-Size-Modeszene nicht zwingend aus, ich kauf halt, was mir gefällt, wo ich es finde, und mein Blog ist bekanntlich zu, äh, thematisch hüben wie drüben für irgendwelche Kooperationen. Aber mal ehrlich: Den Hang zum Abgreifebloggen kennt jede einzelne Blogkategorie, richtig? Ob’s nun Lifestyle-, Gadget oder Kulturbloggen ist, überall gibt’s die, die nur dabei sind, weil man etwas gratis kriegen könnte. Und das versteh ich echt nicht. Because we could indeed be heroes.

- Anderes Thema, noch größerer Hulkseufzer: Familien, die nicht der Norm entsprechen, und wie sie im Bildungsbereich besprochen (bzw. eben verschwiegen) werden. Bei Spilt Milk. So viel Zitierbares. So viel Wahres. So unendlich viel Trauriges und Kopfschütteliges. Nicht, dass das etwas ist, das wir hier täglich erleben würden, wir sind ja heteronormativ wie sonstwas. Aber ich besitze nun mal reichlich Empathie (überreichlich, it sucks to be Troi, aaargh!), und mich schmerzt es bis in die Knochen, wenn ich sowas lese.

- Und hier kombinieren wir dann beide Themen: Mutterdasein und Körperkritik. “Kinder, Körper, Kommentare” gibt’s beim Kaiserinnenreich zu lesen – und mittlerweile bin ich echt am Dauerfuchteln. Himmelarschundzwirn, das darf doch alles nicht wahr sein. Aber es ist, es ist …

… Es ist zum Verzweifeln. Wir sind alle Freiwild der Kritik derer, die sich nicht von der vorgegebenen Norm befreien können. Aber wir sollen die mit dem Problem sein.

Nee, is klar.

(Und immer wieder: Wasn’t life supposed to be more than this?)

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Zwiespaltspagat und Depressionsdümpeln http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/07/09/zwiespaltspagat-und-depressionsduempeln/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/07/09/zwiespaltspagat-und-depressionsduempeln/#comments Wed, 09 Jul 2014 09:15:09 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2329 Weiterlesen ]]> Erstens mal: Einen wirklichen Spagat hab ich einmal in meinem Leben geschafft. Versehentlich. Ist nicht empfehlenswert. Den Lebensspagat hingegen leg ich tagtäglich hin, mal besser, mal schlechter. Ihr wisst schon, die Vereinbarkeiten von Mutterschaft, Moderne, Tradition, Frauenbildern, Feminismus, Onlinewelt, Offlinewelt … manchmal wünsch ich mir, ich wär ein Tausendfüßler, so viele Spagate mach ich selbst als nicht erwerbstätige Mutter.

Außerdem haben Tausendfüßler sicher weniger anstrengende Schönheitsideale.

Aber nun gut, muss ja, nicht wahr? (Oh, wie ich “muss ja” hasse!) Ist ja nicht so, als ob es valable Alternativen gäbe – auch wenn mein Instinkt mir zuflüstert: Leg dich einfach auf den Rücken und zappel mit den Beinen, bis jemand dir hochhilft. Die Erfahrung des durchschnittlichen Käfers zeigt: Nicht empfehlenswert.

Also entscheide ich mich für das, was für mich passt, gucke Fußball und muss mich dafür von anderen Feministinnen als “Backstabber” bezeichnen lassen, poste Fotos von mir im Bikini im Internet und kriege dafür von Fathatern solche Links zugeschickt und finde die Menschheit allgemein derzeit absolut entzückend. Kein Mitleid bitte, ich steck diese Dinge ziemlich problemlos weg, mir geht es um das Prinzip “Seid doch mal alle nett zueinander”, und mein diesbezügliches Scheitern lässt mich eher verzweifeln.

(Meinen Gemütszustand kann man immer dadurch erahnen, wie sehr ich das Bedürfnis habe, die ganze Welt zu retten. Bzw. daran, dass ich wiederholt träume, dass die Welt untergeht und mir die Verantwortung zugeschoben wird. Vielleicht sollte ich hier mitmachen. Seufz.)

Meh. Ich bräuchte einfach mal wieder zwei, drei Tage am Stück, in denen ich nur ich selbst sein kann und nicht Mutter-Ehefrau-Bespaßerin-Hundehalterin-Haushaltmacherin-Bloggerin-Feministin-Fatacceptancewarrior …und so weiter. (Stockholm Pride! Ende Juli! Das wär was! Conchita Wurst und Ola Salo! Hach! Keine Kohle. Hab zwar einen Zuschuss gekriegt, aber ein Teil davon ging für eine Spende an einen kranken Hund drauf. Natürlich. Argh. Ich würd’s am liebsten irgendwie aufstampfend durchstieren, aber es geht halt nicht.) So wie es jetzt ist, hangle ich mich halt bis GISHWHES durch und dann geht’s mir hoffentlich besser. Oder ich mach irgendwann den Suarez, was aber alleine schon deswegen schwierig wird, weil ich nicht mehr auf dem Zahnfleisch gehe, sondern schon auf dem Kieferknochen.

Und da ich mich anscheinend eh gerade in irgendeiner Pfütze des Jammertals suhle: Entscheidungen. Wenn ich in den tieferen Tiefen der Depression rumdümple, sind Entscheidungen quasi unmöglich. Ich erinnere mich ja an Bastians erstes Lebensjahr nur vage, weil es mir da so schlecht ging, aber ich weiß noch genau, dass ich nicht mal mehr entscheiden konnte, was er denn anziehen sollte, aus Angst, ich mach was falsch. Darüber darf lachen, wer möchte, für mich war das ein nie endender Albtraum. Mittlerweile kann ich besser damit umgehen und weiß, dass es bei den allermeisten Entscheidungen, die ich im Leben zu treffen habe, nicht um Leben und Tod geht. Und dass die zu tragenden Konsequenzen im Zweifelsfall nicht superduperobertragisch sind.

Derzeit nage ich an zwei Entscheidungen rum. Beide sind für den “normalen” Menschen vermutlich völlig easy, und ich verstehe jegliches Unverständnis, das mir entgegenschlägt. Aber wie gesagt: Depressionsdümpeln. Alles schwierig.

1. Deutschland steht im Finale der Fußball-WM. Hossa, hossa, trallalla, soll Bastian am Sonntag mitgucken dürfen? Alles in mir sagt: Ja, natürlich, man weiß ja nicht, wann das wieder passiert, einmal länger wach bleiben schadet ihm nicht. Der Ehemann ist eher dagegen, weil er halt fürchtet, dass sich Bastian nicht wirklich für das Spiel interessiert und dadurch eher zum Störfaktor werden könnte. Gerade falls wir zum Public Viewing in der Kneipe von Jogis Bruder runter nach Schönau fahren. Dazu sage ich: Hm, und ja, und klar stimmt das alles ABER. Ich hab natürlich auch keine Lust darauf, grantig zu werden, weil der Sohnemann rumzappelt oder vielleicht auch einen Teil des Spiels zu verpassen, weil er heim will. Aber ich möchte ihn das Finale halt erleben lassen.

Kurz: I. Do. Not. Know.

2. Am Samstag (also eigentlich schon ab heute, aber mich interessieren vor allem die Termine am Samstag) findet in Heidelberg das Ladyfest statt. Ich wollte da eigentlich hin, aber dann kam das Spielfest zum Schwarzwaldtrail dazwischen, das natürlich genau an dem Samstag stattfindet und ein Bobbycar-/Laufrad-/Rollerrennen für Kindergartenkinder bietet. Natürlich will Bastian da starten. Natürlich will ich dann dabei sein. Natürlich lass ich dafür das Ladyfest sausen.

Natürlich hing heute ein Zettel an der Kindergartentür, dass das Fahrzeugrennen leider nicht stattfinden kann.

Okay, was mach ich nun? Doch zum Ladyfest fahren, obwohl das bedingen würde, dass ich den Bus um 6:11 am Samstag früh nehmen muss und vermutlich wieder den ganzen Tag nur rumhetze, so wie am Montag, als ich spontan zum NIFFF fuhr, um mir ein Panel mit George R. R. Martin anzugucken? Das Problem an solchen Aktionen ist ja, dass es mir danach psychisch etwas besser geht, aber dafür die körperliche Müdigkeit extrem ist.

Kurz: I. Do. Auch. Hier. Not. Know.

Und ich weiß ganz genau, wie albern diese Probleme sind, ich weiß absolut, dass so ziemlich gar nichts davon abhängt, und trotzdem sehe ich mich nicht imstande, eine Entscheidung zu treffen, weil mein Hirn mal wieder im Was-wäre-wenn-Modus ist und alle möglichen (und unmöglichen) Resultate jeder möglichen Entscheidung in Dauerschleife abspielt.

Visuell zusammengefasst: Derzeit ich so.

Hoffentlich ich bald wieder so.

(Und ja, es ist mir grad egal, dass die GIFs nicht ins Blogformat passen. Wie der Sohn sagen würde: Dopfidammi.)

(And don’t even get me started on the fucking weather!)

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Isn’t it ironic? http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/06/28/isnt-it-ironic/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/06/28/isnt-it-ironic/#comments Sat, 28 Jun 2014 10:36:43 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2317 Weiterlesen ]]> Guten Morgen. Frau Tugendhulk hier, ich hab mal wieder etwas Furor zu verbloggen. Keine Sorge, ich hab drüber geschlafen, ich koche also nicht mehr über, ich brodle nur so ein bisschen auf kleiner Flamme vor mich hin. Aber das Thema hat nun mal den Gemischtwahnlädchen-Test nicht bestanden, d.h. eine Nacht später rege ich mich immer noch drüber auf. Also. Reden wir mal wieder darüber, was Humor ist, was Humor darf und was Humor sollte. Im weitesten Sinne.

Auf das Thema aufmerksam wurde ich durch diesen Tweet von Kathi, der mir erst mal die Kinnlade runtersacken ließ:

fatshamingraabe

Ein Schulbuchverlag erklärt den Gebrauch von Ironie anhand eines Beispiels, in dem jemand aufgrund seines Körpergewichts kritisiert wird. Klarer Fall von Body Shaming, nicht wahr? Ach nee, Moment, Dicken darf man ja ihr Essverhalten vorwerfen. Dünnen auch. Und jetzt mal kurz die Hand heben, wer in seinem Leben schon mal erleben durfte, wie sich “Willst du das wirklich essen?” oder “Du solltest mehr essen, an dir ist ja nichts dran!” anfühlt.

Ja, dachte ich mir. Was hier von der Frau gewünscht ist? Vermutlich ein Satz im Stil von “Iss nur, Schatz, das wird dir gut tun!” oder “Ich steh auf Männer mit gesundem Appetit!” oder so etwas Ähnliches. Ein Satz, dessen Intention eigentlich ist, dem Mann klarzumachen, dass er keine Riesenpizza und keinen doppelten Nachtisch bestellen darf. Öh. Warum nicht? Ich meine, ich frag ja nur. Und kommt mir jetzt nicht mit “Die Frau sorgt sich nur um seine Gesundheit”, denn dass Ironie als Stilmittel bei einer ernsthaften Sorge nicht die beste Variante ist, darüber sind wir uns hoffentlich einig. Ich sehe da folglich nur zwei mögliche Gründe für eine ironische Antwort: 1. Sie will ihren Mann verletzen. Bravo, Ziel erreicht. Oder 2. Sie betreibt Concern Trolling. Und Concern Trolling ist fiese, manipulative Scheiße. Die braucht keiner. Schon gar nicht ein Schulbuch.

Aber halt, Moment, ich hab da was missverstanden, meint der RAABE-Verlag. Das Zitat ist nämlich aus dem Kontext gerissen worden! Hier ist die restliche Seite.

Ich erlaube mir mal (in der Hoffnung, dass die Leserschaft den Link zum Gesamtwerk anklickt), noch einen Ausschnitt davon zu präsentieren:

Ironieraabe

Äh. Ehrlich gesagt, was ich da aus dem Kontext erkenne, ist keine Rechtfertigung, sondern mehr Probleme.

Gucken wir uns mal das erste Bild an. Ein kleines Mädchen hat eine Vase runtergeschmissen, vermutlich (siehe ihr Gesichtsausdruck) aus Versehen. Die “korrekte” Reaktion der Mutter wäre nun laut Aufgabe sicherlich “Das hast du richtig toll hinbekommen!”.
Nun ist es durchaus diskutabel, inwiefern Kinder schon Ironie verstehen. Und ja, ich habe Bastian auch schon diverse Male ironische Antworten gegeben, das erkenne ich jeweils peinlich berührt daran, wenn er mal wieder “Na, toll!” seufzt. Aber mir ist klar, dass eine ironische Reaktion auf ein Missgeschick erzieherisch, nun, eher ungünstig ist. Was nimmt das kleine Mädchen aus diesem Satz mit? Entweder Verwirrung, weil es aufgrund der Diskrepanz zwischen Tonfall und Aussage nicht lesen kann, was die Mutter meint. Oder aber die Aussage, dass es etwas Schlimmes getan hat. Nun ja. Ich hab mich auch schon über Situationen aufgeregt, in denen Bastian etwas zerstört hat, aber letztendlich ist es mir wichtig, dass er den Unterschied zwischen “Das was du getan hast, war nicht gut” und “Du bist nicht gut” lernt. Und das ist in dieser Illustration beim besten Willen nicht gegeben.

Auf dem zweiten Bild findet es ein Junge angebracht, ein seltsam aussehendes Wesen (das übrigens auch wieder Anzeichen von Übergewicht aufweist) mit “Du bist ja ein ganz besonders hübsches Kerlchen!” ironisch zu beleidigen. Klartext: Wer anders aussieht als die Norm, den darf man öffentlich als hässlich bezeichnen, runtermachen und – siehe die ganze Körperhaltung des Jungen – auslachen.

Das dritte Bild erscheint da auf den ersten Blick eher harmlos, denn die Kritik, dass für einen teuren Pelzmantel kein Geld da ist, mag durchaus berechtigt sein. Aber bitte guckt euch die Situation mal genauer an: Da wird mal wieder repräsentiert, dass die verschwendungs- und genusssüchtige Frau keine Hemmungen kennt, wenn es um … ja, genau: Shoppen geht. Sprich: Hier haben wir also noch eine Runde Genderklischees als Sahnehäubchen (auf dem doppelten Nachtisch, höhöhö).

Frau Tugendhulk meint: UAAAAARGH TUGENDHULKSMASH. Ich versuche mal, das Ganze etwas eloquenter zusammenzufassen.

Ich betone, weil der Kontext in der Tat sehr, sehr wichtig ist: Wir reden hier von einer Seite in einem Schulbuch. Lehrmaterial. Daraus sollen unsere Kinder lernen. Da habe ich Ansprüche. Nein, mir ist auch klar, dass die Schule kein Vakuum ist und nicht immer nur suggerieren kann, dass wir in einer perfekten Welt leben. Aber der Ansatz sollte immer sein, dass wir alle die Welt besser machen können. Was die Fünft- und SechstklässlerInnen aus diesem kleinen Ausschnitt unterschwellig fürs Leben lernen? Beurteilt Leute nach ihrem Aussehen. Bedient die alten Rollenklischees. Erhaltet den Status Quo.

Nee, sorry. Mir fällt auch keine bessere Zusammenfassung als “UAAAAAAARGH!” ein. Trotz Drüberschlafen.

Ach ja: Der RAABE-Verlag beantwortet übrigens alle Tweets zum Thema mit dem Hinweis auf den Kontext. Ich hoffe mal, das ist eine Notlösung übers Wochenende, und es kommt noch was. Denn ein suggeriertes “So war das gar nicht gemeint!” funktionierte noch nie als Zauberspruch, um alles wieder heile zu machen. Im Gegenteil.

Aber hey, wenn man die Seite aus dem Lehrbuch mit diesem Blogeintrag des Verlags vergleicht – dann hat man tatsächlich irgendwie ein gutes Beispiel für Ironie …

(Nachtrag: Bitte hierzu auch die grandiosen Beiträge von Gedanken im Speckmantel und Miss Temple lesen!)

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#notallfanz http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/06/23/notallfanz/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/06/23/notallfanz/#comments Mon, 23 Jun 2014 09:10:47 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2313 Weiterlesen ]]> Es ist, das wird vermutlich niemandem entgangen sein, mal wieder Fußball-WM. Mit allen Vor- und Nachteilen. Allen Debatten und Streitereien. Und nee, ich spreche hier nicht mal von den Diskussionen zwischen Fans unterschiedlicher Mannschaften. Mir geht es um die Gräben, die sich – vor allem natürlich im Social-Media-Bereich – zwischen Fußballguckern und Fußballhassern auftun. Ich bin bekennende Fußballguckerin, bekanntlich mit einer Überdosis Empathie gesegnet und extrem auf “Alle sollen sich lieb haben!” programmiert.

This is a problem.

Ich werde jetzt nicht aufzählen, warum diese WM kritisch hinterfragt werden muss. Der Zwiespalt der WM-Guckenden wurde auf Spreeblick schon hier und hier sehr klar beschrieben. Für mich selber gilt bekanntermaßen in solchen Situationen immer die Regel: Meine Widersprüche. Muss ich mit klarkommen. Und das geht eigentlich auch so weit ganz gut (heyyy, Verdrängen ist eine viel weiter verbreitete Superkraft, als man denkt!). Nur: Ich lebe halt zumindest teilweise auf Twitter (Facebook in geringerem Maße, aber da findet diese Debatte auch weniger statt. Da geht’s mehr um Frisuren und Bärte …), und dort sehe ich mich in meiner Timeline fast ununterbrochen mit den Leuten konfrontiert, die sich von der Fußball-WM ein wenig bis äußerst genervt zeigen.

Was ihr gutes Recht ist. Ganz ohne darauffolgendes Aber.

Denn ich kann mich schwerlich darüber beklagen, dass mir zum Teil – nicht persönlich, aber als Fußballfan – der blanke Hass entgegenschlägt. Ich kann mich nicht darüber beschweren, denn ich bin die Mehrheit. Ich bin Teil der Euphorie, die nur allzu schnell widerliche nationalistische, rassistische und anderweitig diskriminierende Ausbrüche mit sich zieht, mit quasi vorprogrammierter Regelmäßigkeit. Ich kann mich davon als Einzelperson distanzieren, so sehr ich will, es ändert nichts daran, dass ich letztendlich zu der amorphen Masse “Fan” gehöre und damit per Assoziation Passivmitglied bei den Böllern, Hupern und Säufern bin. Auch wenn die Praxis anders aussieht.

Natürlich könnte ich darauf pochen, dass bitte nicht so sehr pauschalisiert werden soll und doch nicht alle Fans und so … joa. #notallfanz. Merkt ihr was? Das ist das ewige Argument der Kritisierten. “Für andere mag das gelten, aber ich bin nicht so!” Nee. So mag ich mich nicht rausreden. Nicht solange unsere Gesellschaft die Fanauswüchse zelebriert und immer mehr fordert. Damit meine ich nicht mal nur die irrwitzigen “Fußball drauf und schon wird’s gekauft”-Artikel im Supermarkt. Auch die Kostümierungen. Blackface und Afroperücke? Hurra, wir sind im Fernsehen! Deutschland spielt gegen Ghana? Kann man doch mal “Alle Schwarzen haben eh AIDS”-Witze auf Twitter machen (und als 13-Jährige mal eben eine ordentliche Lektion in Sachen Internet gratis dazu kriegen …)! Oder sowas:

fanauto

Von den Scherzen, die die Herren im TV machen, ganz abzusehen: Ja, Herr Opdenhövel, dass Shaqiri bei einem schwachen Schuss kickt wie Shakira, das ist natürlich totaaaal witzig. Muahahahaha.

Kurz: Es gibt nicht nur fünf Jahreszeiten in Deutschland, sondern sechs. Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Karneval, Fußball. Über die Reihenfolge kann man sich in Zeiten, in denen eine Fußball-WM schon mal in Katar stattfindet, ruhig streiten.

Und hier stehe ich und würde gerne über den Zaun brüllen: “Ja, das alles nervt mich doch auch, obwohl ich mitgucke!” – aber es hilft ja nix, ich bin nun mal Teil des Problems. Und egal was ich tue: Es werden sich nicht alle lieb haben.

Also agiere ich wie immer: Ich huldige dem Slacktivism, indem ich empört twittere, üble Accounts blocke und melde, nabelbetrachtende Blogeinträge schreibe und zwischendurch schweren Herzens jemanden entfolge, weil ich mit der Wortwahl und der Aggression, die den Fans (und damit auch mir) um die Ohren gehauen wird, nicht umgehen kann.

Und so sehr ich Fußball liebe und die Spiele gespannt verfolge, so sehr freu ich mich doch auch darauf, dass in ein paar Wochen wieder Ruhe in meiner Timeline einkehrt. Na ja, abgesehen von Fandom Wars, Mommy Wars, Misogynie, Misanthropie, Misandrie, Mimimi.

Aber da, um dem Zynismus mal richtig viel Raum zu geben (denn hey, es ist Montag und überhaupt), gehöre ich ja dann wieder zur “richtigen” Seite.

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Urlaubsüberbrückungsangebot http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/05/28/urlaubsueberbrueckungsangebot/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/05/28/urlaubsueberbrueckungsangebot/#comments Wed, 28 May 2014 18:39:21 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2306 Weiterlesen ]]> Guten Abend. Ich bin ab Freitag zwei Wochen offline – also zumindest blogtechnisch, eventuell findet sich hier und da mal ein WLAN zum Twittern oder so. Wenn nicht, finde ich es auch nicht schlimm, ich seh das nicht so eng wie andere Campingplatzbesucher. Ich beschwer mich weder über fehlendes WLAN, noch über TV-Mangel im Bungalow oder gar über fehlende Seife/Duschmittel. Und die ÖV-Anbindung hat für mich auch nix mit der Qualität des Campingplatzes zu tun.

Wie dem auch sei: Ich so Italien, Safarizelt, Rom. Yay!

Blog so: Leere.

Aber nicht verzagen, ich hab da was vorbereitet! Also, äh, genauer gesagt hab ich das schon 2006 geschrieben. Innerhalb von fünf Tagen. Meistens nachts. Der Schreibwahn hatte mich gepackt, was soll ich sagen.

Ich will das Ding jetzt nicht schlechtreden, so schlimm ist es gar nicht. Ich erwähne einfach ein paar Caveats, bevor sich das irgendwer runterlädt.

1. Ich mag zwar den Begriff Chick-Lit nicht, aber wenn ich die Story in irgendeine Schublade stecken müsste, dann würde die am ehesten passen. So ein klassischer Frauenroman halt mit Pixeliofoto von Schuhen, Schokolade und Zigaretten auf dem Cover oder so ähnlich.
2. 2006 hatte ich noch keine feministische oder sonstwie aktivistische Erleuchtung gehabt. Ich hab mir den Text jetzt nicht noch mal durchgelesen, aber ich gehe davon aus, dass er vor entsprechenden Verfehlungen nur so wimmelt. Ich plädiere auf “Frühwerk”.
3. Ja, verdammt, das ist glorifizierte Fanfiction über eine erfundene Figur, die obendrein noch ziemlich Mary-Sue-esk ist. “This woman ist mad and in love with her own creation”, würde Robert Pattinson vermutlich sagen. Nur ist mir inzwischen eins klar geworden: Meine Liebe gehört nicht Henning. Sie gehört Lila. Und das ist gut so.

Und deswegen, ohne weitere Kleinrederei und Ausreden, hier für euch für umme zum Anklicken: “Wollte ich schon immer mal”. 180 Seiten Geschreibsel sollten für ein paar ausfallende Blogeinträge Ersatz genug sein.

Wollte ich schon immer mal

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Mut, ein Definitionsversuch http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/05/27/muteindefinitionsversuch/ http://www.gemischtwahnlaedchen.de/blog/2014/05/27/muteindefinitionsversuch/#comments Tue, 27 May 2014 09:02:57 +0000 http://www.gemischtwahnlaedchen.de/?p=2301 Weiterlesen ]]> Bei Johannes Korten läuft eine Blogparade zum Thema “Mut machen”. Ich habe lange überlegt, welche konkrete Geschichte ich dazu beitragen könnte, aber: Mir fällt nichts ein.

Oh, es gibt diverse Situationen, in denen ich als “mutig” bezeichnet wurde: Ob es der Aufenthalt in Australien war, Tattoos oder Haare abrasieren – es gibt Leute, die so etwas als mutige Tat empfinden. Für mich waren diese Beispiele nicht mutig, denn sie fühlten sich richtig an und kosteten mich keine Überwindung.

Denn letztendlich verstehen wir ja unter “Mut” immer irgendwie auch, dass wir etwas tun, das wir eigentlich nicht möchten, das uns widerstrebt, das “Selbstüberwindung” kostet. Und ja, das passt natürlich, aber andererseits auch nicht. Denn letzten Endes ist es ja kein Kampf gegen das Selbst an sich, wenn man Mut beweist, sondern das absolute Gegenteil: Es ist ein Kampf für das Selbst.

Für mich sind Dinge, die ich für mich, für mein eigenes Selbst tue, nicht mutig, sondern notwendig. Mut, das ist für mich etwas, das ich für andere aufbringe, ohne darin ein Selbstinteresse zu sehen.

Mut ist für mich immer auch Demut – keine Ahnung, ob die Wörter etymologisch verwandt sind oder nicht. Mut fordert keine Belohnung, keine Anerkennung. Mut ist das, was man beweist, wenn man das Selbst in dem Sinne überwindet, dass es keine Rolle mehr spielt.

Mut ist etwas, das muss. Ein “Hier stehe ich und kann nicht anders”.

Mut ist die einzelne Stimme der Liebe gegen die Hassparolen der anderen. Und Mut ist der Glaube daran, irgendwann gehört zu werden.

Mut ist nicht wegzusehen, wenn Wegsehen viel einfacher wäre. Mut ist das Gegenteil von Bequemlichkeit, Mut ist Aufbruch, Mut ist Anfang.

Mut ist Weitermachen, aber auch Aufgeben. Gewohnheiten, Situationen, das Leben.

Mut ist es, sich den Unterschied zwischen “zufrieden” und “damit abgefunden” einzugestehen und entsprechend zu handeln. Nicht mehr um den Punkt des “Es geht nicht mehr” herumzuschleichen, sondern daraus einen Schlussstrich zu machen. Mut ist ein Ende.

Und vor allem ist Mut für jeden im Alltag etwas anderes. Natürlich, die wirklichen Heldentaten erkennen wir alle, aber was ist mit den Dingen, die wir persönlich für selbstverständlich halten, andere aber nicht? Kehren wir zurück zum Anfang, zu den angeblich mutigen Taten, die ich vollbracht habe und zum Thema Selbstüberwindung: Mich selbst überwinden muss ich jedes Mal, wenn ich ein nicht rein privates Telefonat führen muss. Wenn ich autofahre. Wenn ich dem Sohn Grenzen setze. Wenn ich mich irgendwo durchsetzen muss. Wenn ich unter Fremden bin. Denn all das sind Aktionen, die um das Thema “Wenn ich auch nur irgendetwas falsch mache, hat mich keiner mehr lieb” kreisen – und das ist bekanntlich das große Hadern meines Selbst.

Andere empfinden diese Dinge als komplett problemlos und belächeln mich, wenn ich einen erfolgreichen Anruf als kleinen Sieg abfeiere. Aber eben: Die würden vielleicht dafür nie alleine reisen, was ich wiederum als völlig unproblematisch und extrem spannend empfinde.

Mut ist – im Kleinen – also auch komplett individuell. Auch wenn ich das eher als “tapfer” sehen würde. Ja, Semantik, ich weiß. Aber “Tapferkeit” drückt für mich eher das Hibbelige, das Nervöse aus, das solchen Situationen innewohnt.

Mut? Mut ist für mich ein Gefühl der ruhigen Sicherheit, das einzig Richtige zu tun. Weil ich es für andere tue. Weil es die Welt besser macht. Weil es hilft. Und zwar allen, nicht ein paar ausgewählten Wenigen.

Mut ist nicht der Krieger, der verblendet für ein eingetrichtertes Ideal kämpft. Mut ist derjenige, der sich ihm ohne Waffen entgegenstellt. Weil er hofft. Weil er glaubt. Weil er liebt.

Und gerade in diesen Tagen brauchen wir alle mehr Mut.

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