Gute Nacht oder so ähnlich

Ich leg mich jetzt aufs Sofa und versuche, ein Nickerchen zu machen. Aus mehreren Gründen:

Einerseits musste ich heute für meine Verhältnisse früh aufstehen. Das ist jeweils insofern ein Problem, als dass mein Körper mittlerweile so sehr auf „Schlafen, bis es reicht“ eingestellt ist, dass er sich dann in einer Nacht, deren Morgen mit Weckerklingeln beginnt, gleich mal gar nicht entspannt. Ich bin also schon mal vorschussmüde.

Ist aber vielleicht gar nicht schlecht, denn die heutige Nacht wird voraussichtlich lang. Denn auch wenn es nicht mehr mein bezahlter Job ist, Nachrichten hinterherzujagen, so ist eben auch ein Ex-Newsjunkie noch ein Junkie, und wenn ein neuer US-Präsident gewählt wird? Bin ich natürlich live vorm TV dabei. Und das nicht mal, weil ich den einen Typen so toll finde. Nee, einfach nur, weil ich den anderen Typen und vor allem sein Anhängsel so schrecklich finde.

Ich bin kein Obama-Fan. Ich bin eh grundsätzlich kein Fan von Politikern, und sogar bei Personen, als deren Fan ich mich bezeichnen würde, versuche ich tunlichst, jeglichen Denkmalschutz zu vermeiden. Derzeit habe ich echt das Gefühl, dass Barack Obama bei vielen Leuten als Allheilmittel gegen alles, was schiefläuft betrachtet wird, ein moderner Vorzeigeheld, der die USA und damit den Rest der Welt in eine neue, bessere, visionäre Zukunft führen wird.

Äh, nö. Nicht für mich, danke sehr, für mich ist Barack Obama lediglich das kleinere Übel einer sehr eingeschränkten Auswahl, die ich ja sowieso nicht treffen darf. Einer Wahl zwischen… nun ja, nicht Pest und Cholera (Cholera wäre mehr so Frau Palin), vielleicht mehr so Pest und 24-Stunden-Darmgrippe. Es ist zwar klar, wofür man sich entscheiden würde, wenn es denn sein müsste, aber auch die Wahl widerstrebt mir. Obama sieht Atomkraft als Alternative in Sachen Energiegewinnung. Obama behält sich die Option eines militärischen Angriffs auf den Iran offen. Obama ist für die Todesstrafe. Einen solchen Kandidaten würde ich nicht wählen – wenn ich denn wählen dürfte und überhaupt eine valable Alternative hätte. Jaja, Kandidaten einer anderen Partei als der Demokraten und Republikaner gibt es schon, das ist mir auch klar. Aber wenn man bedenkt, wie knapp die US-Präsidentschaftswahlen der letzten Jahre ausgegangen sind, würde ich meine Stimme eher der Darmgrippe geben als einem Kandidaten, der nur aus positiven Eigenschaften besteht und trotzdem keine echte Chance hat. Ideologischer Pragmatismus, quasi (gibt es sowas oder klingt das halt einfach nur gerade total schick?).

Und die Pest? McCain mag ich nur in Form von verarbeiteten Kartoffeln, die dampfend heiss aus dem Backofen kommen. Was die Cholera in ihrem Schlepptau angeht: Palin gerne. Aber bitte Michael. Was die Republikaner da angestellt haben, treibt mich als Frau beim blossen Gedanken daran auf die Palme. Man nehme ein Vorzeigeweibchen, das sich selber gnadenlos überschätzt und führe sie der Nation als einzig wahre Variante der politisch aktiven Frau vor. Sollte das nicht klappen, hat man immerhin noch a) einen Sündenbock, der an allem schuld ist, denn der Mann kann es ja nicht gewesen sein und b) einen weiteren Beweis dafür, dass Frauen in der Politik nichts zu suchen haben. Aaaargh. Na danke. Jetzt hab ich meinen Blutdruck wieder künstlich so hochgetrieben, dass ich gar nicht mehr müde bin.

Lange Rede, gar kein Sinn: Ich guck mir heute Nacht die US-Präsidentschaftswahlen an, entweder hier am PC oder drüben im Wohnzimmer, und ich hoffe dermassen innigst darauf, dass die selbsternannt grösste Nation der Welt bald von Darmgrippe regiert wird und nicht von Pest und Cholera.

Nun ja. Immerhin eins ist sicher: Egal welche Krankheit kommt, es ist doch schon mal positiv, dass wir die Tollwut nach achtjährigem Wüten bald los sind…

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