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Hier schneit es derzeit quasi ununterbrochen, außer es regnet. Liegen bleibt nicht wirklich viel, was mir auch recht ist, aber blaaaargh, ich kann es echt kaum mehr sehen. Also machen wir es uns gemütlich und harren der Dinge, die da kommen.

Heute zum Beispiel gab’s zum Abendessen einfach mal Waffeln. Der Waffeleisenkauf soll sich ja schließlich lohnen, und der Sohn hat die Dinger dermaßen schnell in sich hineingestopft, dass ich mit der Produktion fast nicht mehr hinterherkam. Außerdem haben wir im Wohnzimmer auf Hochtouren geheizt, hören wilde Piratengeschichten und bauen Legowelten zusammen, wenn ich nicht gerade selber vorlese, von Drei ??? Kids (natürlich, immer noch) über das neue Bilderbuch vom kleinen Gespenst bis hin zum Kater Mikesch. Bei Letzterem bin ich ja gespannt, wie ich den heutzutage so finde – ich erinnere mich nur, dass das eins der diversen Bücher war, die ich als Kind immer und immer wieder in der Bibliothek ausgeliehen hab. Übrigens ganz ohne die Augsburger-Puppenkiste-Connection, mit der kam ich damals kaum in Berührung. Siehe auch Urmel und so.

Ist ja eh so ein Ding mit Kinderbüchern von anno dazumal – ich entschärfe ja gerne mal heikle Szenen oder diskutiere mit dem Sohn den Kontext. Dafür müssen die Geschichten allerdings nicht mal besonders alt sein. Gerade bei den drei ??? Kids findet immer wieder Fatshaming statt, wenn irgendwer über Justus Jonas‘ Figur hänselt. Ich möchte dem Sohn die Stories nicht vorenthalten deswegen, aber entweder überspringe ich solche Szenen, ändere sie ab oder erkläre nebenbei, dass wir Leute nicht nach ihrem Aussehen beurteilen und dass es überhaupt nicht schlimm ist, wenn jemand dick ist. Zum Glück ist Justus selbst meistens sehr selbstbewusst, was sein Gewicht angeht.

Und manche Klassiker interessieren ihn schlichtweg nicht. Mit Ronja Räubertochter oder Michel aus Lönneberga hab ich es schon mehrfach probiert – nix. Kästner haben wir neulich mit dem Schwein beim Friseur ausprobiert, fand er lustig, aber da musste ich bei manchen Geschichten auch Diverses zensieren, und puh, Kästners Frauenbild, ey… außerdem wurden die Geschichten dann so traurig, dass ich beim Vorlesen weinen musste, und das kann’s ja auch nicht sein.

Beim letzten drei-???-Kids-Buch hatte ich allerdings ein ganz anderes Problem, was das Ändern und/oder Überspringen von Text anging. Das war nämlich ein Weihnachtsbuch, indem es unter anderem um den Weihnachtsmann ging. Und ob es ihn gibt oder nicht. Nun ist es so: Der Sohn ist sechs, also so langsam in dem Alter, in dem der Glaube an Weihnachtsmann und Osterhase verschwindet – bei mir war es zumindest damals so. Deswegen musste ich immer während des Vorlesens schon etwas stumm weiterlesen, um zu gucken, inwiefern die Existenz des Weihnachtsmannes angezweifelt wurde und wo es darum ging, dass eigentlich die Eltern die Weihnachtsgeschenke kaufen.

(Ich bin übrigens netiquettetechnisch schon so gut erzogen/paranoid, dass ich vor den letzten Absatz beinahe eine Spoilerwarnung geschrieben hätte…)

Letztendlich war die ganze Zweifelei am Weihnachtsmann aber gar kein Problem, denn am Ende des Buches tauchte der ganz total echte Weihnachtsmann sogar selbst auf.

Und ich musste wieder ein bisschen weinen. Ähem.


Mariah Carey- All I want for Christmas von badboy864

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